JungeWelt – AKW Grohnde blockiert

Die Tageszeitung Junge Welt schreibt recht ausführlich und objektiv über die Aktionen am AKW Grohnde und über die zuvor in Göttingen organisierte Herbstkonferenz der Atomkraftgegner.

AKW Grohnde blockiert
Atomkraftgegner trafen sich in Göttingen, um über weitere Arbeit zu beraten. Ihre Bilanz: Es gibt Teilerfolge, aber der Druck muß wieder verstärkt werden

Am Wochenende trafen sich Atomkraftgegner zu einer Bundeskonferenz in Göttingen. Das Abschalten von acht der 17 Kernkraftwerke sei »allenfalls ein Teilerfolg«, sagte Jochen Stay von der Organisation »ausgestrahlt«. Die Bewegung müsse weiter Druck machen. Im Anschluß an das Treffen folgten mit einer Demonstration und einer fast 24stündigen Blockade am AKW Grohnde erste Taten.

Ziel der Initiativen gegen Atomkraft bleibt das Aus für alle Meiler. Matthias Eickhoff von der Gruppe »Sofortiger Atomausstieg« aus Münster erinnerte in Göttingen daran, daß in Deutschland außer den noch neun AKW zahlreiche weitere Atomanlagen betrieben werden. Er nannte unter anderem die Urananreicherungsanlage in Gronau, die Brennelementefabrik in Lingen sowie die Zwischen- und Endlager. Eickhoff kritisierte zudem die Hermes-Bürgschaften für von deutschen Konzernen im Ausland errichtete Reaktoren. Daß Deutschland nicht den Euratom-Vertrag gekündigt habe, der unter anderem eine Förderung der Kernenergie vorsehe, stelle den Ausstiegswillen der Regierung ebenfalls in Frage.

Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad räumte ein, daß die schnelle Reaktion der Bundesregierung auf das Unglück in Fukushima viele Atomkraftgegner verunsichert habe. »Nicht wenige denken, der Ausstieg ist nun vollzogen«, sagte er. Die Bürgerinitiativen hätten »keine gemeinsame Antwort« auf den Beschluß zur Stillegung von acht AKW gefunden. »Es gab 100 verschiedene Petitionen, aber keinen gemeinsamen Druck, um unsere weitergehenden Forderungen durchzusetzen. Das war eine politische Niederlage«, sagte Dickel.

Michael Wilk (Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden) kritisierte, der sogenannte Ausstieg sei der Öffentlichkeit als »Operation am offenen Herzen der deutschen Energiepolitik« verkauft worden. Doch der Eingriff sei vor allem für die Operateure erfolgreich verlaufen. »Einige der anfälligsten Anteile atomarer Zirkulation wurden entfernt, Bypässe verlängerten dagegen Laufzeiten der verbliebenen Struktur, systemverjüngende Anteile wurden implantiert, der Patient Energieversorgung nach dem Eingriff biogaspalmölökobeschleunigt ins kapitalistische Leben entlassen.«

Bei der Demonstration im 65 Kilometer von Göttingen entfernten ­Grohnde zogen am Sonntag zunächst etwa 600 Demonstranten, darunter auch zehn Landwirte mit ihren Traktoren, vom Bahnhof der Gemeinde Emmerthal zum Atomkraftwerk. Dort forderten Redner die Abschaltung des AKW. Beim Bau des Reaktors in den 1970er Jahren sei rißanfälliger Stahl verbaut worden, hieß es. Nach dem »Ausstiegsbeschluß« der Bundesregierung soll Grohnde noch bis 2021 am Netz bleiben. Während das Haupttor des Kraftwerks nach der Demonstration durch eine angemeldete Mahnwache versperrt war, seilten sich vier AKW-Gegner – unter ihnen die als »Eichhörnchen« bekannte Kletteraktivistin Cecilé Lecomte – von einer Brücke in der Nähe des zweiten Tores ab. Rund 50 weitere Demonstranten versperrten die zum Kraftwerksgelände führende Straße. »Damit war das Atomkraftwerk effektiv blockiert«, sagte ein Sprecher des Göttinger Anti-Atom-Plenums. Die Polizei habe Fahrzeugen von Beschäftigten des Kraftwerks in der Nacht zu Montag »gewaltsam« einen Weg auf das AKW-Gelände bahnen müssen und nur so den Schichtwechsel ermöglichen können.

Nach Angaben eines Sprechers leitete die Polizei gegen einen Mann ein Verfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ein. Zudem werde die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen den Versammlungsleiter geprüft. Am Montag mittag beendeten die Atomkraftgegner ihre Aktionen.

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