Überraschungs-Coup einer französischen Kletter-Künstlerin

Auch die regionale Presse greift erstmals positiv die Aktionen vor dem AKW Grohnde auf.

So berichten die „Weserbergland Nachrichten“ aus Emmerthal (direkt am AKW) mit einem sehr schön geschriebenen Artikel, der vielleicht ein Zeichen ist, dass sich die Ansichten „Pro-Atom“ an der Weser in Änderung begriffen sind.

Mit Kletteraktion Atomkraftwerk in Grohnde blockiert

Das „Eichhörnchen“ turnt mit drei Aktivisten unter der Brücke und blockiert die zweite Zufahrt zum Kernkraftwerk in Grohnde

Atomkraftgegner haben heute Nachmittag das Kernkraftwerk in Grohnde blockiert. Nach einer angemeldeten Sitzblockade auf der Hauptzufahrtsstraße zu dem E.on-Kraftwerk haben sie am späten Nachmittag in einer nicht angemeldeten Spontanaktion auch den zweiten Zugang versperrt, den die Polizei als „Hinterausgang“ offengehalten hatte. Vier Kletter-Aktivisten hatten sich von der Brücke der dortigen Bundesstraßenumgehung abgeseilt und die Polizeiposten „ausgetrickst“. Sie ließen sich, mit Seilen gut abgesichert, in den Straßenraum hängen.

Unter den Kletteraktivisten ist auch „das Eichhörnchen“. Es ist die in der Szene wohlbekannte Cécile Lecomte, eine ehemalige französische Lehrerin, die Polizei und Demonstranten mit ihren akrobatischen Einlagen unter der Straßenbrücke in Sichtweite des Kernkraftwerks Grohnde unterhielt und fest entschlossen schien, ihre luftige Position nicht aufzugeben. Zumindest freiwillig nicht. Zuweilen mit dem Kopf nach unten hängend, skandierte sie mit französischem Akzent ihre Abschaltparolen.

Cécile steht buchstäblich Kopf wenn es um die Kernkraft in Grohnde geht
Sie hatte sich wie auch drei weitere Unterstützer gut angekettet. Wenige Minuten zuvor hatte sie an diesem Erntedanktag auf der improvisierten Demo-Bühne vor dem AKW-Haupteingang noch Beifall geerntet mit ihrer Rede gegen die Laufzeitverlängerung für Grohnde. Etwa 1000 Demonstranten waren seit heute Mittag dem Aufruf der Anti-Atom-Gruppen aus dem Weserbergland, dem Raum Göttingen und aus Hannover gefolgt und hatten bei bestem Herbstwetter einer 24-Stunden-Demo zur eindrucksvollen Publikumskulisse verholfen. Auch aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen waren Kernkraftgegner hinzugestoßen um die unverzügliche Abschaltung des Kernkraftwerkes in Grohnde zu verlangen.

Stahl mit Neigung zu „spontanen Rissen“
Sie warfen den Kernkraftwerksbetreiben vor das Problem des verbauten Stahls „mit Neigung zu spontanen Rissen“ zu verharmlosen und zeigten in einer Dokumentation, dass an den Kühltürmen im Frühjahr großflächig der Beton abgebrochen sei. Trotz der Probleme mit dem Stahl habe E.on im September 2007 jedoch beantragt die Leistung des Atomkraftwerkes Grohnde noch zu erhöhen.

„Wir Bürger müssen geschützt werden und nicht die Gewinninteressen von E.on und Konsorten“, rief der BUND-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger bei einer vorgeschalteten Kundgebung am Bahnhof in Emmerthal unter Beifall in die Menge.

Hubert Weiger (BUND): Wenn in Grohnde was passiert, ist Hannover auch betroffen
Und er warnte die angrenzenden Regionen davor sich in Sicherheit zu wiegen: „Wenn in Grohnde was passiert, ist Hannover auch betroffen.“

Die Ereignisse in Fukushima hätten auch gezeigt, dass der Bürger letztlich allein gelassen werde, wenn es zu einem solchen Supergau komme. Am Wegesrand des Demonstrationszuges vom Bahnhof Emmerthal nach Grohnde ließ sich ein Kernkraftgegner den Protest gegen die Atomkraft auf seine Weise auf der Zunge zergehen.

Anti-Atomwaffel auf Omas Herd
Auf einem alten Herd wie aus Omas Küche fertigte er zum sofortigen Verzehr Anti-Atomwaffeln. Die Halbwertzeiten waren extrem gering. Ihm wurde jede Anti-Atomwaffel von hungrigen Mäulern aus dem Waffel-Eisen gerissen. Demonstrieren macht – zumal bei diesem schönen Herbstwetter mit grenzenloser Solarenergie von oben – ordentlich Appetit.

Eine der Hänge-Aktivistinnen ließ sich übrigens von einem anteilnehmenden Gesinnungsgenossen eine Tafel Schokolade an ein Seil binden, das sie anschließend zum zügigen Verzehr einholte. Derweil tauschten Bereitschaftspolizisten verstohlen Fußballergebnisse aus. Die Generationen von Polizisten und Demonstranten in Grohnde sind an Erfahrung gereift – und nicht wenige Polizisten dürften diesmal auch „Grün“ gewählt haben.

Quelle: Weserbergland Nachrichten

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