Massiver Strahlenaustritt bei Revisionen

Jedes AKW führt mindestens einmal pro Jahr eine Revision durch. Da werden die „Heiligtümer“ des AKW gelüftet. Da wird der Reaktor geöffnet. Es werden Wartungsarbeiten durch geführt. Es werden auch Brennstäbe getauscht. Dies geschieht auch im AKW Grohnde. Nun hatte das AKW bereits eine Revision und auch da gab es kaputte Brennstäbe, so wie in Gundremmingen. Nun soll es Mittel November einer erneute und damit zweite Revision im AKW Grohnde geben. Ggf. werden dort auch neue MOX-Brennstäbe eingesetzt.

Wenn man beim AKW den Reaktordeckel öffnet, so werden die radioaktiven Dämpfe frei. Wohin damit? Na, klar – ungefilter ins Freie. Egal, ob da vielleicht die Anwohner kurzfristig verstrahlt werden. Ist nur einmal im Jahr.

Die Organisation IPPNW hat die Werte der letzten Revision am AKW Gundremmingen gemessen, ausgewertet und jetzt veröffentlicht.

Hier die Pressemitteilung:

Radioaktive Emissionsspitze zu Revisions-Beginn des Atomkraftwerks Gundremmingen

Das zwischen Ulm und Augsburg gelegene Atomkraftwerk Gundremmingen hat zu Beginn der Jahresrevision im September sehr viel mehr radioaktive Edelgase abgegeben als im vorherigen Leistungsbetrieb. Nach Angaben der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW lag die Emissions-Konzentration des Atomkraftwerks vor der Revision in der Größenordnung von drei Kilo-Becquerel pro Kubikmeter (kBq/m3). Zu Beginn der Revision nahmen die Emissionen schlagartig in extremer Weise zu und erreichten am Spätnachmittag und Abend des 22. September eine Größenordnung von mehr als 700 kBq/m3 mit einem Maximalwert von 1470 kBq/m3 um 17.30 Uhr. In den Folgetagen zwischen dem 23. und dem 29. September wurden mit durchschnittlich 106 kBq/m3 noch immer wesentlich mehr radioaktive Edelgase in die Umwelt abgegeben als im Leistungsbetrieb.

Bei einer Revision mit Brennelementewechsel wird der Deckel des Reaktordruckgefäßes geöffnet. Dabei entweichen neben radioaktivem Kohlenstoff weitere Radionuklide, wie Tritium, Jod-131, Cäsium-137 und radioaktive Edelgase. Bisher sind die Messwerte der radioaktiven Partikel und der radioaktiven Edelgase lediglich in über längere Zeit gemittelten (also rechnerisch nivellierten) Werten veröffentlicht worden. Jetzt liegen – auf Anfragen der IPPNW und der Grünen im Bayerischen Landtag – erstmals ungemittelte Werte zur wissenschaftlichen Auswertung vor. Analysen der IPPNW und des Nürnberger Wissenschaftlers Dr. Alfred Körblein zeigen, wie dramatisch die Emissionen zu Beginn der diesjährigen Revision in Gundremmingen angestiegen sind. „Im Maximum erreicht die Edelgaskonzentration das 500-fache des Normalwerts“, betont Körblein.

Die IPPNW warnt vor den wahrscheinlichen gesundheitlichen Folgen solcher Emissionsspitzen. „Besonders gefährdet sind ungeborene Kinder im Mutterleib. Schwangere Frauen nehmen in den Betriebsphasen mit geöffnetem Reaktordruckgefäß mit der Atmung mehr radioaktive Nuklide auf als sonst“, so Reinhold Thiel, Vorstandsmitglied der IPPNW. „Über die mütterliche Blutbahn und die Placenta gelangen dann die trahlenden Substanzen zum ungeborenen Kind.“ Bestimmte strahlensensible Gewebe des Embryos oder des Feten können in solchen Phasen laut Thiel geradezu radioaktiv „markiert“ werden („labelling“). Dazu gehören die embryonalen Stammzellen des blutbildenden Systems, was später zu Leukämie führen könne.

„Dies erklärt plausibel die Ergebnisse der 2007 veröffentlichten Kinderkrebsstudie des Mainzer Kinderkrebsregisters“, so Thiel. Diese hatte bewiesen, dass Kleinkinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen, ein höheres Erkrankungsrisiko für Krebs und Leukämie haben, als vergleichbare Kleinkinder, die weiter von Atomkraftwerken entfernt wohnen.

„Für eine vernünftige wissenschaftliche Auswertung zum Schutz ungeborener Kinder, brauchen wir jetzt von allen Atomkraftwerken ungemittelte Halbstundenwerte aller radioaktiven Abgaben“, fordert Thiel. „Diese Werte wurden bisher von den Aufsichtsbehörden und den Atomkraftwerksbetreibern wie Betriebseigentum behandelt und trotz mehrfacher Nachfragen lediglich in gemittelter Form zur Verfügung gestellt.“

Weitere Informationen

Aktuelle Info-Grafik:
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Edelgasemissionen_Gundremminge_.pdf

Erhöhte Kohlenstoff-14-Emissionen aus Neckarwestheim-2 während Revisionen mit BE-Wechsel (Info-Grafik):
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/brennelement_wechsel.pdf

Brennelementwechsel gefährlicher als bisher angenommen (22.06.2011):
http://www.ippnw.de/index.php?id=597&expand=4600&cHash=0bedb3e4be

IPPNW fact sheet „Atomkraft: Risiken schon im Normalbetrieb“:
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/factsheet_risiken_normalbetrieb.pdf

IPPNW-Film „Kinderkrebs um Atomkraftwerke“:
http://www.youtube.com/user/IPPNWgermany#p/f/2/2PiQTr0noL4

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