EON bei den Anlegern „unten durch“…

Kürzlich bei der EON-Hauptversammlung gab es beeindruckende Bilder und Worte. So wie die Atomkraftgegner den Konzern und dessen Fehlentwicklungen seit Jahren kritisieren, gab es auch von anderen Aktionären und Vertretern großer Aktienpakete durchweg Kritik.
Besonders aufregend waren die Auftritte von Aktivisten aus Finnland und Kolumbien, die EON scharf für ihre Atom- und Kohlepläne vor Ort kritisierten.
Wie gewohnt gab es auch wieder zur Urananreicherung harsche Kritik. Wie schon hier im Blog berichtet gab es auch zum AKW Grohnde scharfe Kritik und Nachfragen.

Zusammenfassend fanden sich selten bis überhaupt keine guten Worten, selbst „normale“ Aktionärsvertreter fanden am EON-Kurs nicht viel Positives:

  • zu viele Schulden
  • zu wenig erfolgversprechende Projekte
  • zu viele Kosten
  • haufenweise Managementfehler
  • schlechte Rücklagen für die Risiken
  • zu großer Imageschaden

EON ist definitiv kein Liebling der Anleger!

Das zeigt auch der folgende Kurs von EON der letzten 5 Jahre mit Vergleich zum DAX. EON ist ein klarer Verlierer am Aktienmarkt!

Sicherlich wird sich diese Schwäche früher oder später auch in der Finanzlage des Konzerns widerspiegeln.

Doch auch für die Atomkraftgegner gab es einiges an wichtigen Informationen aus der Hauptversammlung mitzunehmen. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Der Verkauf der Urenco-Anteile ist für EON (und RWE) offensichtlich sehr schwer. Zum einen können sie laut EON-Chef Teyssen nur gemeinsam verkaufen, zum anderen hat die Bundesregierung „gewisse Mitspracherechte“. Welche genau „ist unklar“ so Teyssen.
    Man habe mit der Bundesregierung noch nicht gesprochen, aber die Bundesregierung könne laut EON keinen Kandidaten auswählen und habe auch kein Genehmigungsrecht bei einem Verkaufsdeal.
    Aber: Durch den Urenco-Gründungsvertrag von Almelo (1970) gebe es z. B. eine Mitsprache in Proliferationsfragen. Die Frage, ob auch die EU, Euratom oder die IAEO ein Mitspracherecht hätten, blieb unbeantwortet.

    WICHTIG:
    Wenn die Bundesregierung ein Mitspracherecht hat, dürfte dies auch für die Landesregierung gelten, weil die konkrete Atomaufsicht ja Ländersache ist. Wie sich die Zuständigkeiten in diesem Fall genau aufteilen, ist uns derzeit nicht bekannt. Aber da sind wir definitiv dran…

  • Noch gebe es kein offizielles Verkaufsverfahren und erst dann werde EON die Öffentlichkeit informieren. Sicher sei aber, dass auch die Briten ihr Urenco-Drittel verkaufen wollen.
    Mit anderen Worten, der erst wenn ein geeigneter Käufer gefunden wurde und alle Mitwirkenden ihr „OK“ gegeben haben, wird die Öffentlichkeit vor vollendeten Tatsachen gestellt. Und wahrscheinlich wird dann auch ein neuer Staatsvertrag für die Urenco notwendig, der den Vertrag von Almelo ersetzt oder ergänzt. Es kann aber am Ende auch so sein, dass sich angesichts der komplexen Strukturen und Vorgaben kein geeigneter Käufer für die Urenco-Anteile findet und alles beim Alten bleibt – außer es wird dem Standort der UAA in Gronau die Betriebserlaubnis entzogen.
  • Urenco betreibt mit Areva seit 2006 die gemeinsame Tochter ETC (Enrichment Technology Company), die die Zentrifugen erforscht, entwickelt und an den UAA-Standorten auch produziert. Die Forschung und Entwicklung wird von 540 MitarbeiterInnen zentral in Jülich durchgeführt.
    Auf die Frage, ob die Urenco-Zentrifugen über die ETC und Areva in Frankreich womöglich auch militärisch eingesetzt werden könnten, musste der EON-Chef passen. Man wisse nicht viel über die ETC-Aktivitäten. Falls dem aber so sein sollte, müsse ggf. Deutschland Frankreich verklagen – eine interessante Antwort und Perspektive. Jedenfalls war es erschreckend, dass der EON-Chef eine militärische Nutzbarkeit der Zentrifugen nicht einfach ausschließen konnte oder wollte. Das lässt zwischen den Zeilen sehr tief blicken!

    Hintergrund:
    Für das Joint Venture ETC wurde 2005 zwischen Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden der Vertrag von Cardiff geschlossen, der eigentlich – aus Wettbewerbsgründen – einen Technologietransfer zwischen Urenco und Areva ausschließen soll. Da Areva aber mit den Urenco-Zentrifugen in Südfrankreich eine eigene UAA baut, dürfte das faktisch nur sehr schwer umzusetzen sein. Chef der ETC ist derzeit ein Areva-Manager. Somit haben wir hier erhebliche Interessenskonflikte, die man rechtlich als Vertragsverstoß werten muss. Das werden wir sicherlich auch mit verfolgen…

  • EON hält vorerst am finnischen AKW-Neubauprojekt Pyhäjoki fest. Trotz massiver Kritik auf der Hauptversammlung sagte EON-Chef Teyssen: „Wir entscheiden im Einzelfall zu jedem Projekt“ und ergänzte „Wir haben keine nukleare Strategie“. Je mehr er kritisiert wurde, desto vorsichtiger wurde er allerdings!
    Pyhäjoki sei „erst in der Projektentwicklungsphase“ und man könne nicht schon jetzt über „hypothetische Fragen“ wie die Entsorgung des Atommülls „spekulieren“, denn „wir haben zu viele heutige Probleme“. Welche das seien, wollte er aber nicht sagen. Aber dass ein Konzernlenker offen massive Probleme eingesteht, ist für einen solchen großen Konzern eine Katastrophe!
    Die Managementfehler der letzten 10 bis 15 Jahre rächen sich. Mal sehen, wer dies am Ende in Euro und Cent ausbaden darf – wohl oder übel der Steuerzahler und Stromkunde!
  • Zu der Kritik am AKW-Grohnde hatten wir bereits berichtet. Dem Grunde nach wurden die Fragen zu Grohnde und auch den geplanten MOX-Brennelement-Transporten unbeantwortet.
    Tenor: alles prima, alles OK.
    Naja, wir werden ja sehen, wie es weiter geht. Die Ausgangslage von EON wird aber immer schlechter…
    EON muss aufpassen, dass die aktuelle Atomstrategie nicht zum Image-Overkill wird. Doch der Strommarkt muss sich keine Sorgen machen, es gibt zahlreiche und gute Alternativen. Es wenden sich immer mehr Kunden von EON ab. Im Grunde können wir EON danken, dass sie es anderen einfach machen und sich selbst aus dem Markt katapultieren.
  • Für viel Aufregung sorgte der Auftritt einer kolumbianischen Indigena und eines Menschenrechtsanwalts. Sie warfen beide dem EON-Vertragspartner, der in Kolumbien Kohle für EON fördert, u. a. Zwangsumsiedlungen vor!
    Andere Redner sprachen gar von Verwicklungen in Mordfällen. Wer so etwas öffentlich in Deutschland auf einer Hauptversammlung sagt, wird Beweise haben!
    Klar! Das gefiel EON so gar nicht, denn die Expansion nach Südamerika sollte der Rettungsanker für die hoch verschuldete EON werden. Doch wir wissen, dass dort schon andere Konzerne Schiffbruch erleiden – siehe Thyssen Krupp. Die Zeiten sind vorbei, dass sich solche Länder ausbeuten und „verarschen“ lassen gegen Schmiergelder an der einen oder anderen Stelle. Letzters ist schwer zu beweisen, da es aber üblich ist, kann man auch bei den EON Projekten davon ausgehen.
    EON wiegelte erstmal ab und sprach von „extrem dubiose Aktivitäten der lokalen Kooperationspartner“. Naja, immerhin hat doch EON diese Kooperationspartner aufgetan – somit hat EON auch die entsprechende Veratnwortung – ethisch wie moralisch. Erinnern wir uns doch an den Unternehmenskodex…
    Wir können wetten, da werden in Zukunft noch mehr negative Schlagzeilen kommen.
    Zur nächsten Hauptversammlung gibt es bestimmt auch schon „nette“ Nachrichten von den EON-Kooperationen in Indien. Dort soll es neue Kohlekraftwerke von und mit EON geben. Ja, ja, so sieht die „Saubere Grüne Strategie“ von EON aus. In Deutschland bestes Greenwashing, während in anderen Ländern dreist verdreckt, ausgebeutet und der Klimawandel vorangetrieben wird…

Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass sich der Besuch der EON-Hauptversammlung gelohnt hat, um den Energiekonzern mit der gesellschaftlichen Ablehnung zu konfrontieren und auch um neue Infos zu den brisanten Projekten zu bekommen. Letztlich geht es auch uns darum einen starken Konzern für die Bürger zu haben, der sauberen Strom dezentralisiert und möglichst in Kooperation mit den Bürgern anbietet. So profitieren die Angestellten, die Führungskräfte, die Bürger und die Verbraucher. Der Konzernumbau ist möglich, wenn auch schwierig.

Als neues Ergebnis 2012 haben haben wir einen weiteren Adressaten für unsere Forderungen ausgemacht:

Nach dem Wahlsieg von Francois Hollande werden wir die Kooperation in Europa ausbauen und zusammen mit unseren französischenen Freunden von der französischen Regierung einen Ausstieg der Areva aus dem Joint Venture mit Urenco fordern, verbunden mit einem Lieferstopp von UF6 für Urenco sowie der Stilllegung aller Areva-Standorte in Deutschland (z.B. der Brennelementefabrik Lingen). Das würde den Atomausstieg in Deutschland deutlich voranbringen, Urenco massiv unter Druck setzen und die Rolle von Areva in Europa spürbar verringern. Dies wäre ein sehr großer Erfolg für die schnelle Umsetzung der Energiewende weltweit und die massive Reduzierung der Atomkraft.
Allein die öffentliche Thematisierung dieser Forderung würde unserem Anliegen schon helfen. Derzeit spielt die Zeit für uns.

Wir rufen jeden auf, uns zu unterstützen!
Wir können jede Hilfe gut gebrauchen! Sprecht uns einfach an!

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