Sind wir für einen ABC Unfall wirklich gerüstet?

Wir hätten nicht gedacht, dass wir einmal einen Artikel der „Internationale Hilfs- und Rettungsorganisationen“ (retter.tv), über die Region Hannover/Hameln, über das AKW Grohnde und der Analyse zu einem ABC Unfall beim Atomkraftwerk Grohnde zitieren würden.

Doch es zeigt sich, dass weder die Politik noch die Aufsichtsbehörden und vor allem auch nicht der Betreiber jemals ersthaft Gedanken dazu gemacht haben, wie es im Ernstfall wäre.
Nun haben sich Profis dazu Gedanken gemacht und das Ergebnis ist nicht schön und sollte die Menschen rund um das AKW aufrütteln.
In dem Zusammenhang sei auch noch einmal auf unseren letzten Artikel verwiesen, der die DEWEZT zitierte, die über die radioaktive Strahlung berichtete, die während der Revisionen austritt. Etwas, dass wir schon lange angesprochen haben wurde dann auch endlich mal für das AKW Grohnde bestätigt. Wobei wir immer noch mit der IPPNW auf die genauen Messwerte warten…

Hier nun der Bericht von retter-tv – der mehr als lesenswert ist!

Hier der Link auf die Quelle: retter.tv

Die Energiewende in Deutschland, bedeutet nicht gleichlautend eine Entwarnung von möglichen Gefahren, die durch Kernkraftwerke, Forschungsreaktoren, oder Endlagern, wie auch Wiederaufbereitungsanlagen ausgehen können.

Aber wie sind wir hier aufgestellt?
Im weiten Umfeld um Kernkraftwerke befinden sich mehrheitlich nur Freiwillige Feuerwehren. Jedoch sei erlaubt, darauf hinzuweisen, dass es ein Unglück nicht von einem (abgeschalteten) Kernkraftwerk in Deutschland ausgehen muss. Auch andere Feuerwehren sind im Fall eines Unglückfalles gefordert. Blicken wir auf unsere Nachbarstaaten finden sich sehr viele und auch anfällige Kernkraftwerke um Deutschland.

Bereits einige Reportagen haben gezeigt, dass Freiwillige Feuerwehren und auch Stützpunktfeuerwachen nicht hinreichend für einen Ernstfall ausgerüstet sind. Ungeachtet der Aufgaben einer Werkfeuerwehr scheint es besonders fraglich, wenn ehrenamtliche Feuerwehrmänner als erste Lanze mit Chemieschutzanzügen bekleidet einem solchen Szenario begegnen sollen.
Ein weiteres Problem stellt die Information der Bevölkerung dar, wer soll diese, in welcher Form durchführen, wer kann das psychosoziale Verhalten der Bevölkerung abschätzen und wie sollen diese unter Umständen versorgt werden ( nicht nur Jodtabletten-Ausgabe). Allein eine Großstadt wie Hannover, das nur rund 42 Kilometer vom Kernkraftwerk Grohnde entfernt liegt, hätte größte Probleme zu beherrschen. Zwar ist die Berufsfeuerwehr Hannover mit Schutzanzügen und Geräten zur Messung der Radioaktivität gut ausgestattet. Diese hilft jedoch nur bedingt, wenn es bei anderen Organisationen um diese Ausrüstung schlecht bestellt ist.

Vorausgeschickt sei, dass Teile unseres Team, als einziges Search & Rescue Team in der damals noch nicht bestehenden Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Dai-ich im Einsatz waren und bereit den Exodus erlebt haben wie auch maßgeblich an den Evakuierungen und erst Dekontaminationsmaßnahmen beteiligt waren. Wir sprechen hier also aus erster Hand. Die Arbeiten wurden in Anlehnung an die FwDV 500 angelehnt, die sich aber nicht umsetzen lies. In Spitzen und besonders am J-Village lagen die Werte bei 400 mSV die Stunde. Zum Vergleich in Deutschland liegen die Werte bei 15 mSV, 150 mSV und 250 mSV wobei letzteres die Lebensdosis sein sollte.

Überträgt man die Erfahrungen die wir in unserem Japaneinsatz erlebt haben auf Deutschland, stellt sich die Frage, wie man dieser Aufgabe Herr werden kann, wo sollen wir zukünftig die Manpower herbekommen, die zudem auch noch mit richtiger Persönlicher Schutzausrüstung wichtige Funktionen und Aufgaben erfüllen sollen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sich der Bund immer mehr aus seinen Aufgaben des Katastrophenschutzes zurückzieht. Eine Tatsache die von vielen Feuerwehren beklagt wird. Zudem sagt Andreas Teichert, der mehr als 7 Monate den Einsatz in Japan geleitet hat, würde es in Deutschland keinesfalls so diszipliniert durchzuführen sein, wie es in Japan größtenteils möglich war.

Nehmen wir einmal Hannover zum Beispiel, dann ergibt sich das Bild, dass allein nur rein 25 Kilometer, also der bemessenen Fernzone (I,II,III) nicht einmal eine Evakuierung oder ähnliche Versorgungsregeln in den Katastrophenplänen vorgesehen ist. Hier wird man sich wohl nur auf die Bevölkerungswarnung und die Ausgabe von Jodtabletten beschränken können. Bei dieser Tatsache, brauchen wir noch nicht einmal an eine Havarie in Frankreich, Polen oder Tschechien nachdenken, sagt Andreas Teichert. Auch würde ein solcher Unfall, die gesamte Verkehrssituation zum Zusammenbrechen bringen.

Im Umweltausschuss berieten sich Behördenvertreter und sprachen von rund 9.000 Menschen die im unmittelbaren Umfeld des Kernkraftwerk Grohnde leben. Diese Zahl lässt sich nur schwer berechnen sagt Teichert, allein in Fukushima hatten wir massive Problem mit unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen, das veränderte sich fasst stündlich, wobei uns die Jahreszeit in Japan sehr entgegengekommen ist, von Oktober bis März wehen die meisten Winde nicht auf das Festland, sonder hinaus auf den Pazifik. 200.000 bis 300.000 Bewohner zählen bereits das nächstfolgende Gebiet, die Zone zwischen 10 und 25 Kilometern rund um Grohnde ist damit explizit bemessen. Für Hannover bestünde im Ernstfall jedoch nur die Möglichkeit zwischen 5.000 bis 10.000 Menschen aufzunehmen, unter anderen in Turnhallen, und Zentren, damit ist aber auch der Vorrat an Decken und Lebensmittel erschöpft. Aber die Berechnung gelte nur für einen kurzfristigen Aufenthalt von zehn bis zwölf Stunden, keinesfalls für eine Versorgung über Tage und Wochen, wie derzeit in Japan. Das ist eine unglaubliche Zahl von der man sich nicht täuschen lassen soll, meint Teichert. Zwar ist Deutschland in einigen Gebieten mit Großevakuierungen aufgrund Kriegsaltlasten erfahren, einer solchen Evakuierung folgen jedoch nicht psychosoziale Folgen auf dem Fuße. Mit dem Gedanken nach einer voraussichtlich berechneten Zeit für eine Entschärfung, besteht dann ja im Gegensatz zu einer ABC-Evakuierung immer die Möglichkeit der Rückkehr.

Die Chaotische Zustände die die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. DTRG in Japan erlebte, vom Seebeben, dem Tsunami bis hin zum Nuklearunglück, lassen sich noch heute sehr schwer in Worte fassen und verarbeiten schon gar nicht sagt Teichert. Nach rund 200 Schwarzen Bodybags haben wir einfach aufgehört zu zählen, das war nicht zu verarbeiten.

Nach diesem Einsatz, sagt Teichert, geht es nicht mehr darum, sich darauf zu verlassen, dass die Kernenergie in Deutschland bald Geschichte ist, sondern besonders auf die Stilllegungen und den Rückbau von Kernkraftwerken hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Hierzu muss man jedoch wissen, dass sich Kernkraftwerke nicht einfach durch das Umlegen eines Schalters stilllegen lassen, sondern zu wissen, das Kernkraftwerke in den sogenannten Restlaubbetrieb gehen, der einige Jahre andauern kann. Und es schützt uns nicht vor verheerenden Störfällen in Kernkraftwerken in Frankreich, und Tschechien zum Beispiel. Und es ist keine Garantie dafür, dass alle Ehrenamtlichen Kräfte bereit sind, einen solchen Einsatz zu absolvieren.

Es ist daher auch für die Zukunft notwendig diesen Bereich nicht nur für einen Möglichen terroristischen Angriff aufrechtzuerhalten (Analytische Task Force u.a.) sondern eben nach wie vor für Unglücks- und Störfälle.

Regelmäßig führt die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. DTRG in diesen Bereichen Schulungen, Seminare und Tagungen durch. Noch in diesem Jahr wird es in Berlin die erste internationale Tagung im Bereich der Katastrophenreduzierung in Berlin geben, sagt Teichert und fügt hinzu.

Bedauerlich an diesem Thema ist, die Tatsache, dass nach unserer monatelangen Einsatzzeit das BBK ein Erfahrungsaustausch mit den einzigen deutschen Mitgliedern eines deutschen Rettungsteams in Japan mit der flapsigen Begründung abgelehnt hat, dass man alle Fragen die sich aus Japan ergeben haben, in eigne deutsche Fragekataloge eingearbeitet hat.
Diese Aussage empfinde ich als fahrlässig, zumal keiner vor Ort war, das was wir dort erlebt haben, war so umfangreich, und betraf die psychosozialen Folgen, die Infrastruktur, die Evakuierung von mehr als 450.000 Menschen, die Mengen an Bergungen und dem unglaublichen Leid auf allen Seiten.

Wir trafen nicht nur traumatisierte Bewohner, sondern auch Feuerwehrmänner und Polizisten, die selbst Familien und Freunde verloren haben, in Rikuzen takata verloren die Feuerwehrkameraden nicht nur eigene Kollegen und Kameraden, sondern gleich drei Feuerwachen, alle Geräte und 85 % Ihre Fahrzeuge.
Zudem noch das Krankenhaus nebst Ärzten und Pflegepersonal. Das ist nicht einfach zu verarbeiten sagt Teichert und schließt mit dem Satz, in Deutschland würde das vermutlich nicht so geordnet durchgeführt werden wie es in Japan zu unserer Überraschung möglich war.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Deutschland, Grohnde, Meldung, Presse, Studie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s