Neulich im Kraftwerk die Märchenstunden

EON hat am AKW Grohnde ein nettes Besucherzentrum eingerichtet. Man möchte Werbung machen und es kommen immer wieder Schulen und Vertreter von Landkreisen und Gemeinden vorbei, meist auf Einladung von EON. Nun artet diese Werbung in „Gehinwäsche“ aus. EON hat in dem Besucherzentrum die Probleme und Erfahrungen aus Fukushima irgendwie ausgeblendet. Vielmehr gehen die Mitarbeiter dort offen davon aus, dass es keinen neuerlichen Atomausstieg gibt und das AKW noch viele viele Jahre weiter läuft, weit über das beschlossene Abschaltdatum von Grohnde aus 2011 hinaus.

Auch wir sind immer wieder mal in dem Besucherbereich des Kraftwerks, um uns zu informieren. Sobald man uns als Atomkraftgegner identifiziert, werden aber die Führungen im Kraftwerk spontan abgesagt oder die Öffnungszeiten zu unserem Nachteil verändert. Naja, man hat wohl Angst vor zuviel Fragen und Offenheit.

Vor einigen Wochen wurde es mal wieder mächtig peinlich und die Aktivisten und Besucher hatten den Eindruck, bei EON gibt es eine kleine „Märchenstunde“. Die Besucher glaubten kaum, was sie da hörten…

Da sprechen die Mitarbeiter völlig offen über falsche Argumente (die man auch deutlich als Lügen beschreiben kann), zeigen Zusammenhänge völlig falsch auf und leugnen den Atomausstieg aus 2011.

Wir haben unseren Bericht bisher nicht veröffentlicht, um uns so einen „Schmankerl“ für später mal aufzuheben.

Aber nun sind uns freundlicher Weise andere zuvorgekommen und EON reagiert peinlich berührt. Sie lassen ein Video im Internet bei Youtube löschen und erstatten auch noch Anzeige, obwohl das Video einfach nur das zeigt, was im O-Ton im AKW den Besuchern erzählt wird.

[Wichtige Ergänzung nach Kontakt mit dem EON Konzernpressesprecher: es ist nicht klar, ob tatsächlich EON selbst aktiv geworden ist. Er streitet es nachvollziehbar ab. Klar ist aber: es gibt eine Anzeige gegen die Person, die die Videoaufnahme erstellt hat und genau das Video wurde zensiert. Die Zensur ist für jeden nachvollziehbar bei Youtube]

Hier einfach mal Zitate aus dem Video:

Frage:
Warum investiert E.ON 2,5 Mio € in einen neuen Farbanstrich des Kühlturms, wenn das Kernkraftwerk doch in weniger als 10 Jahren stillgelegt werden soll?

Der E.ON-Sprecher klärt auf:
Es wird nicht damit gerechnet, dass das AKW wirklich stillgelegt wird.

Frage:
Und der Atommüll?

Der E.ON-Sprecher klärt auf:
Nichts im Leben ist umsonst.

Dies wäre der Link auf das Video, wenn man es nicht hätte löschen lassen:
http://youtu.be/X3YMY5Z7ll0


Hier das „Transscript“ des Beitrags
.

Hier gibt es das Video aber auch zum Download. Zum Glück vergisst das Internet nicht 🙂
http://ge.tt/2AaeXWM/v/0

Besonders dumm [Ergänzung auch hier, es ist nicht klar, ob es EON selbst war, der Konzernpressesprecher streitet es ab.] ist es, dass man den Journalisten nun auch noch verklagen will und Anzeige erstattet hat. Tja, mit solchem Verhalten hat man es nicht besser verdient, denn so wird es jetzt erst richtig öffentlich…

Quelle:
http://www.anti-atom-piraten.de/2012/07/neulich-im-kernkraftwerk-grohnde-e-on-glaubt-nicht-an-den-atomausstieg/

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4 Antworten zu Neulich im Kraftwerk die Märchenstunden

  1. E.ON hat weder die Löschung eines Videoclips veranlasst noch einen Journalisten wegen der Veröffentlichung verklagt. Bei den zitierten Aussagen handelt es sich um die private Meinung eines Mitarbeiters und nicht um die Konzernposition. E.ON respektiert selbstverständlich die politischen Entscheidungen zum Ausstieg aus der Kernenergie. Bitte unterlassen Sie die falschen Behauptungen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Carsten Thomsen-Bendixen
    Konzernpressesprecher E.ON AG

    • antiatomowl schreibt:

      Vielen Dank Hr. Thomsen-Bendixen für den zeitnahen Kommentar.

      Wir haben uns zum einen auf die im Internet verbreitete Meldung bezogen und dazu aber auch selbst erfahren, was die EON Mitarbeiter in dem Besucherbereich den Gästen erzählen. Es sind Mitarbeiter, die extra für die Besucher abgestellt werden und wohl auch dies im Stellenprofil als Arbeitsaufgabe haben.
      EON sollte schon schauen und mit den eigenen Angestellten sehr genau klären, was über das Kraftwerk, politische Ansichten und künftige Unternehmensstrategien angesprochen wird. In allen anderen Dingen ist EON ja doch sehr genau, wie z.B. auch Ihre schnelle Reaktion verdeutlicht.

      So kann es doch irgendwie nicht angehen, dass „private Meinungen“ von Mitarbeitern im öffentlichen Raum eines Ihrer Kraftwerke als EON-Aussagen aufgefasst vorgetragen werden. Dies scheint nicht nur einmal passiert zu sein. Hier liegt es in der Verantwortung von EON verantwortungsvoll zu handeln, zu kommunizieren und die eigenen Mitarbeiter aufzuklären. Wir haben solche Aussagen unter Zeugen bei dem Besuch im Kraftwerk und diese konkreten Aussagen werden eben nachvollziehbar in dem Video in den EON Räumen am Kraftwerk von einem EON-Mitarbeiter mit Außenwirkung klar verständlich getätigt.

      Es ist für jeden erkennbar, dass das Video aus „rechtlichen Gründen“ gesperrt/gelöscht wurde. Somit ist Ihre Darstellung leider nicht nachvollziehbar und stichhaltig. Aus welchem Grund sollte Youtube ein Video aus eigenen Stücken sperren/löschen, wenn nicht durch EON gefordert?

      Warum sollte ein Journalist behaupten, es liegt eine Anzeige vor, wenn es nicht stimmt. Auch hier ist zunächst die Darstellung im Internet „glaubhafter“.

      Somit können Sie uns nicht vorwerfen, wir würden Falsches behaupten. Treten Sie doch bitte den Gegenbeweis an. Wir würden uns sehr darüber freuen, hier für Aufklärung zu sorgen.

      In dem Zusammenhang hätten wir auch gern geklärt, warum Sie die Kühltürme kurz vor der absehbaren Abschaltung für sehr viel Geld „erneuern“. Diese Kosten belasten unnütz die Energiekunden. Statt dessen spart EON bei den Mitarbeitern durch den erheblichen Abbau von Mitarbeitern. Und EON hätte dieses Geld in erneuerbare Energieprojekte investieren können – das wäre zukunftssicher und würde den Willen zum Umstieg im Rahmen der Energiewende manifestieren! Doch auch diese Chance haben Sie versäumt. Es macht also auch visuell den Anschein, EON setzt weiter auf Atomkraftwerke…

      • Sehr geehrte Damen und Herren,

        wenn Sie etwas behaupten, dann belegen Sie das bitte auch. Ein Hinweis auf „im Internet verbreitete Meldungen“ ist kein Beleg. Und die Tatsache, dass falsche Behauptungen von verschiedenen Quellen im Internet wiederholt werden, mach diese auch nicht richtig.

        Fakt ist und bleibt: E.ON hat keine Löschung eines Videoclips veranlasst. Und E.ON hat auch niemanden wegen der Veröffentlichung eines Videoclips verklagt.

        Ganz einfach: Sie werfen uns etwas vor. Also belegen Sie Ihre Vorwürfe. Oder unterlassen diese.

        Freundliche Grüße
        Carsten Thomsen-Bendixen
        Konzernpressesprecher E.ON AG

      • antiatomowl schreibt:

        An uns wurde eine interessante Frage herangetragen, die in diesem Zusammenhang von Bürgern gestellt wird:

        Es ist schon mal unklar, warum man ein AKW „herausputzen“ muss, wenn es eh abgeschaltet wird. Dies nach dem Motto, keiner wird sein Auto neu lackieren, wenn es in 2 Wochen in die Schrottpresse kommt.

        Doch noch mehr verwirrt sind die Leute, wenn man sich vor Augen hält, dass EON scheinbar doch den Atomausstieg akzeptiert, warum sie dann dagegen beim Bundesverfassungsgericht eine millardenschwere Klage anstrengen?
        Das kostet wieder einmal dem Steuerzahler viel Geld und ist unnötig.
        Viel mehr ist dies ein Indiz mehr, dass EON eben nicht den Atomausstieg akzeptiert und die Aussage in dem Video der Wahrheit entspricht…

        Die Leute sind erbost über die aktuelle Anti-Energiewende_Kampagne der Atomlobby zusammen mit dem Altmaier – und der aufkommende Zorn ist gut so.

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