Franzosen zweifeln an Sicherheit des Atomfrachters

Die Einwohner der Region und Atomkraftgegner sind besorgt. Je mehr man sich als „einfacher Bürger“ über den Transport auf der Straße durch Niedersachsen und über das Schiff aus England informiert, desto größer die Angst, dass etwas passieren kann. Es scheint, dass die Landesregierung in Hannover und auch das BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) jede Gefahr billigend in Kauf nimmt.

Wir möchten einmal aus der Internetseite des BfS zitieren, die die oberste Behörde ist, die solche Transporte nach umfangreicher Prüfung der Sachlage die Genehmigung erteilt:

Das BfS arbeitet für die Sicherheit und den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch ionisierende und nichtionisierende Strahlung. Im Bereich der ionisierenden Strahlung geht es zum Beispiel um die Röntgendiagnostik in der Medizin, die Sicherheit beim Umgang mit radioaktiven Stoffen in der Kerntechnik und den Schutz vor erhöhter natürlicher Radioaktivität. Zu den Arbeitsfeldern im Bereich nichtionisierender Strahlung gehören unter anderem der Schutz vor ultravioletter Strahlung und den Auswirkungen des Mobilfunks.
Dabei hat neben der Abwehr von unmittelbaren Gefahren die Vorsorge zum Schutz der Bevölkerung, der Beschäftigten in der Arbeitswelt sowie der Patientinnen und Patienten in der Medizin eine entscheidende Bedeutung.

Mit dem Zitat im Hinterkopf, muss man einfach mal die Strecke von Nordenham bis Grohnde abfahren und schauen, an wie vielen Stellen es absolut fahrlässig ist, einen derart gefährlichen Transport zu genehmigen und durchzuführen. Wer trägt dafür die volle (!) Verantwortung? Wer hat die Genehmigung schluss endlich im BfS unterschrieben?

Neben dem Streckenverlauf auf den niedersächsischen Straßen haben wir uns mit dem Seeweg beschäftigt. Auch das Transportschiff ist mit der Ladung ein Höllenritt und unabsehbaren Risiken!

Foto von Connor (http://forum.shipspotting.com/index.php?PHPSESSID=4g6budau571kl3klnbo3v2n8i1&action=profile;u=19072)So haben wir öffentlich nachlesen können, dass die französiche Sichherheitsbehörde “Autorité de Suretté Nucléaire” (ANS) offenbar gegenüber britischen Behörden die Sicherheit des Plutoniumfrachter Atlantic Osprey kritisiert haben.

Es muss gerade für Franzosen schon etwas außergewöhnliches geben, dass die Sicherheitsbehörden in Frankreich in Sachen Atomkraft negative Worte in den Mund nehmen.

Aber in Deutschland ist man entweder zu dumm, oder absolut ignorant, oder einfach nur abgestumpft, dass man sich nicht ordentlich informiert und die Sicherheitslage und Vorkehrungen genau überprüft, bevor eine Genehmigung erteilt wird. Als politisch in der Verantwortung stehender Minister (wie Hr. Altmaier für den Bund + BfS und Hr. Birkner für das Land Niedersachsen) sollte man sich der Sicherheitslage im Klaren sein. Es ist zu vermuten, dass sich diese Personen und weitere Beteiligte bestimmt einige unschöne Fragen stellen lassen müssen. Im Landtagswahlkampf und auch im Bundestagswahlkampf kann sich kein Politiker kritischer Fragen einfach so entziehen. Unklug ist, wenn man vor wenigen Tagen etwas von Sicherheit und unnötige Kritik aus der Anti-Atom-Ecke erzählt. Und wenn wir uns dann mit wenigen Klicks im Internet eines völlig anderen Belehren lassen!

Aber nicht nur die Franzosen haben ein PRoblem mit dem Transportschiff, welches EON mit beauftragt hat, den Transport von England nach Deutschland durchzuführen. Die Kritik an dem Transporter geht aus einem vor kurzem veröffentlichten Bericht der britischen “International Nuclear Service” (INS) hervor. Die INS gehört zu der staatlichen britischen “Nuclear Decommissioning Authority”.
Das bedeutet,dass selbst die Behörden in England wissen, was da für ein „Schrotthaufen“ durch die Nordsee schippert. Nur muss man bedenken, dass es hier nicht um einen Transport von Cola-Flaschen oder Tiefkühlpommes geht. Hier wird eines der schlimmsten und giftigsten Stoffe in einer großen Menge transportiert.
Mit der Atlantic Osprey sollen in wenigen Tagen plutoniumhaltige MOX-Brennelemente von Sellafield aus über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde (NDR Bericht über Proteste) transportiert werden.

Der britische Guardian berichtet im April 2012 über einen heiklen Report, der ursprünglich sogar noch aus November 2010 datiert! Erst eine Anfrage der britischen Umweltorganisation CORE im Rahmen des Umweltinformationsrechts führte im Frühjar 2012 zur Veröffentlichung des bis dahin geheimen Berichts.

Spätestens jetzt sollten die Behörden, wie auch EON hellhörig werden! Nun liegen die Fakten auf dem Tisch. Wir haben die Probleme hiermit thematisiert und belegt, so dass sich dem niemand mehr entziehen kann.
Wer möchte mit diesen Fakten wirklich noch die Verantwortung übernehmen?

Was mögen die Mängel sein, kann man fragen?
So ist dies zum Beispiel ein schwerwiegendes Sicherheitsrisiko:

Während anderen Schiffe, die für Seetransporte mit hochradiaktiven Atommüll und Plutonium eingesetzt werden, doppelwandig ausgelegt sind, ist die „Atlantic Osprey“ nur einwandig und verfügt nur über eine Antriebsmaschine. Im Falle einer Kollision könnte das als ehemalige Auto-Fähre in Hamburg gebaute Schiff mit seiner brisanten Fracht schnell Leck schlagen. Fällt der Motor aus, ist das Schiff manövrierunfähig. Es ist noch nicht lange her, da hat es einen Brand im Motorraum gegeben…

International laufen seit Jahren Bemühungen, Seetransporte mit Gefahrgütern unter höheren Sicherheitsstandards durchzuführen. Dazu zählt vor allem auch, dass die Schiffe mindestens doppelwandig ausgelegt sind. Bekannt ist das von Öltankern, die ein enormes Risiko im Falle von Unfällen darstellen. Beim Transport radioaktiver Materialien und Plutonium sollte man dies eigentlich voraussetzen können.

Interessant ist der Bericht aber auch mit Blick darauf, wie die Schiffseigner mit der Sicherheit umgehen. Offenbar ist ein weiterer Atomfrachter, die „Pacific Pintail“, zunächst (2010 ?) aus Altersgründen außer Betrieb genommen worden. Damit folgte die INS einer bewährten Praxis des Unternehmens, nach der alle Schiffe ausgemustert wurden, die älter als 25 Jahre waren. Vorgesehen war ein Ersatzschiff zu besorgen, das 44 Millionen Pfund gekostet hätte. Doch offenbar war das den Betreibern schlicht zu teuer. Da Sicherheit hinter dem Profitstreben steht, entschied man sich, die bisherige „Pacific Pintail“ schließlich kurzerhand auf den Namen „Oceanic Pintail“ umzutaufen und wieder in Betrieb zu stellen. Immer wieder werden wir Zeugen, wie wir alle belogen und betrogen werden…
Der britische Guardian griff das auf und titelt daher:

“Ageing nuclear cargo ship brought back into service after new ship is scrapped”

Bis 2015 soll die „Pacific Pintail“ / „Oceanic Pintail“ nun weiter Atommüll über die Meere schippern.

Der Guardian fasst den INS-Bericht zu der Sachlage so zusammen:

Das ist eine “Interimslösung” und eine “billigere Möglichkeit”.

“This is an “interim solution” and “a low-cost opportunity”, it said.”

The INS report also discloses doubts over the continued use of another nuclear cargo ship, Atlantic Osprey, which is 26 years old. Keeping the ship in service “presents difficulties”, it says, because the French nuclear safety authority, ASN, has “reservations” and because of “reduced public acceptance/political credibility”.

Uns Bürger, und konkret angesprochen auch uns Aktivisten, wird immer wieder versichert, dass alles absolut sicher ist. So auch vor wenigen Tagen die Landesregierung in Hannover, wenn sie gleichzeitig zur Besonnenheit aufruft. Wer ist am Ende tatsächlich besonnen und verantwortungsvoll?
Aber, nun auch die Frage: wo ist denn da die gebotene Sicherheit?
Wir wollen jetzt endlich die Belege für die Sicherheit, ansonsten muss der Transport abgesagt werden!

So wie die Franzosen an der Sicherheit des Atomfrachters zweifeln,
zweifeln die Mitglieder der Regionalkonferenz an der Sicherheit des ganzen Transportvorhaben und appellieren an die zuständigen Stellen, sich ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern bewusst zu werden! Es gibt Gesetze, die ebenso für Atomtransporte gelten, wie für andere hochsensible Risikofracht.

MOX ist ein „Höllenzeug“. In einem guten Beitrag der ZEIT wird das Gefahrenpotential im Störfall bei einem laufenden Reaktorbetrieb deutlich: http://www.zeit.de/2011/15/Plutonium-Fukushima

Mehr zu Plutonium und MOX bei wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/MOX-Brennelement
http://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium

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