EU-Stresstest: Leitlinien schwerer Unfälle nicht umgesetzt

Es gibt keine guten Ergebnisse des EU weiten Stresstest der 145 überprüften Atomanlagen.

Es mutet schon sehr merkwürdig an, dass die innerdeutschen Tests nicht zu so einem katastrophalen Ergebnis kamen. Eigentlich sind wir es gewohnt, dass doch gerade die EU ein Molloch an Lobby-Filz ist. In diesem Fall muss die Kommission gute Arbeit geleitet haben!

Die TAZ hat auf ihrer Seite einen guten Artikel zu dem Stresstest und gleich auch das PDF-Dokument des Tests mit dem Status „Draft“ (Entwurf) verlinkt.
Hier der TAZ Artikel zum Nachlesen.
Hier das PDF zum Stresstest (englisch) von der TAZ.

Unter vorgehaltener Hand hatten schon zahlreiche Fachleute die nun scheibchenweise bekannt werdenden Probleme aufgeworfen. Allein Greenpeace hat mehrfach diese Probleme angeprangert. Nun gibt es endlich eine offizielle Bestätigung. Doch wir wissen, es gibt noch viel mehr Mängel, die in dem Stresstest nicht beleuchtet wurden. Vielmehr wurde hier lediglich an der Spitze des viel zitierten Eisbergs gekratzt…

In Deutschland waren die folgenden 12 bemängelten Atomanlagen überprüft worden:

  • Grohnde
  • Biblis
  • Brokdorf
  • Brunsbüttel
  • Emsland
  • Grafenrheinfeld
  • Gundremmingen
  • Isar
  • Krümmel
  • Neckarwestheim
  • Philippsburg
  • Unterweser

Die Regionalkonferenz „Grohnde Abschalten“ hat in den letzten Wochen mehrfach den mangelhaften Schutz und die fehlende Sicherheit beim AKW Grohnde ins Gespräch gebracht. Nun mussten teilweise die Politiker und Behörden den Mangel eingestehen, da er einfach zu offensichtlich ist.

Der Spiegel berichtet in seinem Online-Artikel vom 1. Oktober auch über Probleme bei dem deutschen Atomanlagen

laut Stresstest die Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt„.

Man darf sich schon fragen, wofür es Leitlinien gibt, die dann keine „Sau“ einhält. Immerhin sprechen wir hier nicht über die Verarbeitung von Kuhmilch oder oder einer Pommesbude. Hier geht es um die gefährlichste Technologie, die sich Menschen ausgedacht haben, um ein bisschen Strom zu erzeugen!

In dem Artikel wird die Konsequenz aus dem EU-Stresstest deutlich in einem klaren und verständlichen Satz zusammengefasst:

Wenn ein Werk durchfällt, müsste es nachgerüstet oder abgeschaltet werden.

Nun gibt es eine erste Schätzung, was die „Korrektur“ der Probleme kosten wird: 25.000.000 Euro. In der Regel übersteigen die realen Kosten immer die Schätzung. Hier sollten sich die Betreiber, wie aber auch die Politik mit den angeschlossenen Aufsichtsbehörden überlegen, die 12 Atomanlagen schnellst möglich zu schließen und das Geld in zukunftsweisende Projekte der Energiewende mit dem Ziel dezentraler „sauberer“ Energieerzeugung zu investieren. Damit sind deutlich keine neuen Kohlekraftwerke oder die CO2-Abscheidung gemeint, wie auch der Unsinn der tausende kilometerlangen neuen Starkstromtrassen.

Einfach lächerlich kommt einem (halbwegs nachdenklichem Bürger) die Stellungnahme aus dem Bundesumweltministerium vor, wenn man liest:

Ein Sprecher von Minister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin: „Die Erdbebensicherheit ist bisher nicht beanstandet worden bei Kernkraftwerken in Deutschland.Bei den bisher bekannten Stresstests habe es für die deutschen AKW keine Mängel etwa bei Kühlwasser, Stromversorgung und Notfallmaßnahmen gegeben.

Mensch, wie dämlich sind diese hoch bezahlten Fachkräfte da im Ministerium in Berlin? Was machen die da eigentlich den ganzen Tag?

Es dürfte ein denkwürdiges Ereignis sein, dass in ganz Europa die Betreiber und auch die Aufsichtsbehörden mit dem EU-Stresstest ein glattes Ungenügend erhalten haben.

Den Vogel schießt aber am Ende der EU-Energiekommissar Oettinger mit seinem knappen Kommentar ab:

Die Situation ist grundsätzlich zufriedenstellend„.

Ob die „neuen“ Erkenntnisse etwas an der Umgangsart mit der Atomkraft ändert?

Der EU-Atomanlagen-Report dürfte Zündstoff für den Wahlkampf in Niedersachsen und für die Bundestagswahl haben. Wir freuen uns schon auf die neue „Ebene“ des Diskurs. Die Atomlobby dürfte jetzt an der Wand (oder besser am Pranger) stehen.

—-

Hier der ganze Spiegelartikel im Zitat.
Quelle: www.spiegel.de

EU-Stresstest – Sicherheitsmängel bei 12 deutschen AKW

Zwölf deutsche Kernkraftwerke sind bei einem EU-weiten Stresstest durch Sicherheitslücken aufgefallen. Mängel gab es vor allem bei den Erdbeben-Warnsystemen. Dem Bericht zufolge besteht in fast allen europäischen Anlagen Nachrüstungsbedarf, die Kosten sollen bei bis zu 25 Milliarden Euro liegen.

Mitte Oktober will EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Ergebnisse eines europaweiten Stresstests von Atomkraftwerken vorstellen. Dafür wurden internationale Teams in 145 europäische Meiler geschickt. Erstmals hätten Kollegen aus dem Ausland deutsche und französische Kernkraftwerke inspiziert, sagte Oettinger in einem SPIEGEL-Interview.

Nun sind erste Ergebnisse des Stresstests durchgesickert. Die Inspektion von Meilern habe ergeben, dass auch deutsche Anlagen Sicherheitslücken haben, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf den ihr vorliegenden Stresstest-Abschlussbericht (Stand September). Bei allen zwölf in Deutschland geprüften Kraftwerken müssten die installierten Erdebebenwarnsysteme nachgebessert werden. Bereits frühere Studien hatten die Bebensicherheit deutscher AKW in Frage gestellt. Zudem seien laut Stresstest die Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt.

Während Umweltschützer und Grüne empört reagierten, gab sich das Bundesumweltministerium gelassen. Ein Sprecher von Minister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin: „Die Erdbebensicherheit ist bisher nicht beanstandet worden bei Kernkraftwerken in Deutschland.“ Bei den bisher bekannten Stresstests habe es für die deutschen AKW keine Mängel etwa bei Kühlwasser, Stromversorgung und Notfallmaßnahmen gegeben.

Als Reaktion auf das Atomunglück im japanischen Fukushima hatte die EU europaweit alle 145 Nuklearreaktoren – aktive und stillgelegte – auf ihre Sicherheit geprüft. In Deutschland waren es zwölf Anlagen: Biblis, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grafenrheinfeld, Grohnde, Gundremmingen, Isar, Krümmel, Neckarwestheim, Philippsburg, Unterweser. Bei allen werden die zwei genannten Punkte bemängelt. Über einen ersten Entwurf des Berichts hatte zuvor auch die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet.

Wenn ein Werk durchfällt, müsste es nachgerüstet oder abgeschaltet werden. Um die Mängel zu beheben, müssten die Betreiber EU-weit nach Berechnung der EU-Kommission für alle 134 noch laufenden Reaktoren in den kommenden Jahren zwischen 10 und 25 Milliarden Euro investieren. Innerhalb der EU setzen derzeit 14 von 27 Staaten auf Kernenergie.

Schwerwiegende Mängel in Skandinavien

Europaweit schneiden laut dem EU-Report französische AKWs besonders schlecht ab. Kritikpunkte sind vor allem fehlende oder ungenügende Erdbeben-Messgeräte, die sichere Lagerung von Unfallausrüstung und Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren.

Besonders schwerwiegende Mängel belegt der EU-Report für zwei Werke – Olkiluoto in Finnland und Forsmark in Schweden -, wo die Betreiber weniger als eine Stunde Zeit haben, um nach einem kompletten Stromausfall und/oder einem Ausfall der Kühlsysteme die Sicherheitssysteme wieder hochzufahren.

Die EU-Kommission wollte sich zu den Ergebnissen des Tests nicht äußern. Resultate würden in den kommenden Wochen bekanntgegeben und dem nächsten EU-Gipfel am 18./19. Oktober vorgelegt, sagte eine Sprecherin. Details könne man nicht nennen, da der Bericht noch nicht abgeschlossen sei.

EU-Energiekommissar Oettinger gab nur ein knappes Statement zum Stresstest ab: „Die Situation ist grundsätzlich zufriedenstellend„, sagte er, aber es gebe keinen Grund, sich zurückzulehnen. Der Kommissar verwies insbesondere auf die die Gefahren von Erdbeben und Überflutungen. „Unsere Stresstests waren strikt, ernsthaft und transparent. Sie zeigen objektiv, wo wir gut sind und wo es Verbesserungsbedarf gibt.“ Oettinger wollte den endgültigen Bericht eigentlich schon im Sommer der Öffentlichkeit vorlegen, gab aber Ende April eine Verschiebung auf den Herbst bekannt.

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2 Antworten zu EU-Stresstest: Leitlinien schwerer Unfälle nicht umgesetzt

  1. hullio schreibt:

    sehr cool, danke

  2. Kati schreibt:

    Ich hatte Oettingers Einschätzung „grundsätzlich zufriedenstellend“ in Schulnoten ausgedrückt als 3 verstanden. Wenn ich mir jetzt überlege, dass es ein berechtigtes Interesse von Seiten der EU gibt (z.B. Vermeidung von Hysterie/Panik oder auch eine Gefährdung der benötigten Strommengen durch Forderungen nach sofortigen Abschalten von AKWs) die Ergebnisse besser aussehen zu lassen, als sie tatsächlich sind, dann mache ich mir bei der 3, die gegeben wurde, schon so meine Gedanken. Bei einer komplett unabhängigen Prüfung wäre es wohl eine 4 minus oder gleich eine 5 geworden.
    Zu den angesetzten Kosten:
    Auch ich halte die 25 Milliarden für viel zu tief angesetzt. Denken wir nur mal an die Folgekosten von Fukushima, die (nur in Schätzungen wohlgemerkt) im Laufe des letzten Jahres von 130 Milliarden auf 200 – 300 Milliarden gestiegen sind.
    Durch die Globalisierung (hier nur der Im- / Export von Waren gemeint) sind die weltweiten Kosten ja auch überhaupt nicht absehbar. Ich habe erst neulich einen Artikel von 2011 gelesen. Es ging um Tee und die Einflüsse von Fukushima auf deutsche Firmen. In dem Artikel heißt es, dass „derzeit gänzlich auf Rohware aus Japan verzichtet“ (http://teeologisch.de/japanischer-tee-radioaktivitaet/) wird. Wie lange dieses derzeit wohl gedehnt werden wird und welche Kosten dadurch wohl entstehen werden?

    Das Märchen von der billigen und sauberen Energie dank Atomstrom muss doch endlich mal ausgeträumt sein!

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