Grohnde – Angst vor dem Atomunfall

Foto von GreenepeaceDie EU-Kommission hat es nun schwarz auf weiß belegt! Das AKW Grohnde hat 3 schwerwiegende Mängel! Zwei gehen auf das Konto Erdbebenschutz und der Dritte betrifft die Vorsorge durch Maßnahmen einer internationalen Guideline, die nach dem Unglück im AKW Tschernobyl vereinbart wurde. Diese „Guideline“ wird im Übringen in KEINEM der deutschen Atomkraftwerke beachtet – ein behördliches Desaster!

Starkbeben-Risiko gefährdet deutsche AKW

Die dramatischen Geschehnisse im März 2011 in Japan haben gezeigt, dass man mit jedem noch so abwegigen Ereignis rechnen muss, wenn man Hochrisikoanlagen wie Atomkraftwerke betreibt. Es ist falsch, wenn man einfach davon ausgeht „das wird schon nicht passieren“!

Wenn man mit zuständigen Behörden und den Betreibern in Deutschland spricht, wird verharmlost und man hört Aussagen wie „das ist doch alles sicher“, „wir haben die beste Technik“, „wir haben die sichersten Anlagen weltweit“, „hier wird alles genauestens geprüft“, „wovor haben Sie Angst“ …

Die Unfall-AKW im Norden Japans waren für Beben der Stärke 8 ausgelegt. Aber an dem besagten Freitag wurden Beben mit der Stärke 9 gemessen, für die das AKW eben nicht ausgelegt waren. Dazu kam dann noch die weitere Katastrophe, ein Tsunami. Somit gab es erheblichen Schaden an den Kraftwerken durch das Beben und dann kamen unglaubliche Wassermassen.

Wir wissen, dass Japan eine Region ist, die im Grunde dauerhaft von Beben heimgesucht wird.

Aber auch in Deutschland bestehen Risiken durch Erdbeben! Neue Untersuchungen von Geoforschern der Technischen Hochschule Aachen (RWTH) haben gezeigt dass das Erdbebenrisiko in Norddeutschland unterschätzt wird.
Das Erdbebenrisiko in Deutschland wird für 100.000 Jahre berechnet. Unsere Reaktoren sollen gemäß den Planungen auch sehr seltenen Starkbeben widerstehen können.
Reicht es, wenn wir in der Erdgeschichte von Europa wenige Jahrhunderte zurückschauen? Aber wie weit waren die Techniken zur Messung von Beben vor 200 Jahren, vor 500 Jahren oder vor 1.000 Jahren? Wie bekommen wir unsere Erkenntnisse über Erdbeben vor 500 Jahren?
Also kann man zusammenfassen, dass die Kenntnisse über frühere Beben mangelhaft sind. Forschern stehen meist nur Erdbebendaten aus den letzten 1200 Jahren in Deutschland zur Verfügung – und die sind zudem lückenhaft und beruhen auf irgendwelchen Verfahren, die keine absolute Sicherheit der Erkenntnisse bieten.

Warum hat man in Japan, einer stark von Erdbeben belastet Insel, Atomkraftwerke „nur“ bis zu einer Stärke von 8 konstruiert?
Man sollte meinen, die Konstrukteure und Verantwortlichen waren sich der Risiken eines havarierenden Atomkraftwerks bewusst und haben mit der maximalen Sicherheit geplant. Doch sie haben die maximale Sicherheit nicht ausreichend abgeschätzt und damit das größte atomare Unglück verursacht.

RWTH-Forscher Klaus Reicherter und Gösta Hoffmann haben in Bodenschichten auf Usedom überaschende 2000 Jahre alte Spuren von Erdbeben nachgewiesen.
Auch in Norddeutschland sei die Erdkruste anscheinend „geschwächt“, schreiben Reicherter und Hoffmann.

AKW Grohnde muss abgeschaltet werden!

Solange kein ordentliche Erdbebenwarn-System am AKW Grohnde installiert ist, muss das AKW abgeschaltet werden. Seit der Revision im April 2012 steht zusätzlich zu den Bebenrisiken im Allgemeinen die Frage im Raum, ob durch das Dübelproblem die Erdbebensicherheit des AKWs weit mehr gefährdet ist.

Die aktiven Atomkraftwerke sind alt. Mit dem Alter wird das Material schwach. Dübel halten nicht mehr in den Wänden, Strahl wird spröde, Metallleitungen werden alt, anfällig oder verstopfen. Die Liste von möglichen Problemen aus dem steigenden Alter von Anlagen ist lang. Fachleute wissen zudem, dass mit dem Alter die Materialschwäche überpropotional ansteigt. Die Aufsichtsbehörden aber halten sich nicht an diese Erkenntnis, denn die Überprüfungen der Atomkraftwerke in Deutschland wurden weniger. D.h. die Zeiten zwischen den Überprüfungen werden länger als kürzer. Jeder KFZ Besitzer weiß, dass er mit steigendem Alter öfter zum TÜV muss. Jüngst möchte die Bundesregierung gar, dass KFZ bald mit einem bestimmten Alter jährlich zum TÜV müssen.
Wie kann es sein, dass die Politik und die Atomaufsicht bei der Hochrisikotechnologie Atomkraft dies missachtet und damit unverantwortlich Menschen und Umwelt gefährdet. Bei einem erheblichen Atomunfall ist die Region um das AKW Grohnde weitläufig verseucht. Bauern verlieren ihr Land, damit verliert die Gesellschaft wichtige Ressourcen für die Nahrungsmittelkette. Trinkwasser ist weitflächig ungeniesbar und lebensgefährlich. Unternehmer verlieren Mitarbeiter und Industriestandorte. Die Menschen verlieren ihre Heimat und müssen umgesiedelt werden. Viele Menschen werden durch den mangelhaften Katastrophenschutz nicht vor der Radioaktivität geschützt und werden Krank und sterben qualvoll…

Bereits im August 2012 hat die Regional-Konferenz „Grohnde-abschalten“ nachgewiesen und in die Öffentlichkeit getragen, dass die ausgelegten externen Notfallschutzpläne völlig mangelhaft sind. Die Bedenken und Argumente der Atomkraftgegner wird nun durch den EU-Stresstests bestätigt.

Wobei zu beachten ist, dass hier nur an der Spitze des Eisbergs gekratzt wurde. So fehlt die Einschätzung der Materialschwäche, so fehlt die Betrachtung von Terrorschutz, so fehlt die Einschätzung von Hochwasser (z.B. durch das Bersten einer Talsperre)…

Alle diese Risiken sind real!

Mangelhafte Schutzpläne werden ignoriert, Risiken missachtet und verharmlost

Das Desaster hat mit dem Verheimlichen der Notfallplänen im Katastrophenfall angefangen, bei dem scheinbar nicht mal die vorgeschriebenen Konsequenzen aus der Reaktorunglück von Tschernobyl umgesetzt wurden! Die letzte Änderung in 2012 zum Katastrophenschutzplan resultiert aus Vorgaben aus dem Jahr 2009. Zu dem Zeitpunkt sollte die internationale „Guideline“, die die EU-Kommission nun in dem Stresstest-Report bemängelt, bekannt gewesen sein. Wir haben nun das Jahr 2012 und es sind annähernd 2 Jahre seit dem Unglück in Japan vergangen. Und noch immer ist das Risiko nicht eingearbeitet im Schutzplan. Schon im Frühjahr 2012 hat das BfS Ergebnisse vorgelegt, die schon längst im Katastrophenschutzplan Berücksichtigung finden müssten.

Aus diesen Gründen muss das AKW Grohnde sofort abgeschaltet werden!

Es ist eine unzumutbare Sicherheitslage, dass die Bürger und die Umwelt nicht ausreichend vor einem Atomunfall geschützt werden.

Erschwerend in dieser Situation will EON die 16 MOX-Plutonium-Brennelemente aus Sellafield einsetzen, die EON selbst für sehr riskant und problematisch einstuft. Es ist bekannt, dass die Anlage in Sellafield oft fehlerhafte Brennelemente produziert hat. Die Anlage wurde 2011 geschlossen, da sie nie richtig funktioniert hatte. Billigend wird hier das Risiko eines Zwischenfalls in Kauf genommen, nur der Profitgier wegen!

Es muss ein sofortiges Verbot ergehen, dass MOX-Brennelemente nicht mehr verwendet und eingesetzt werden dürfen.

Erdbeben – Das unterschätzte Risiko

Neuere Forschungsergebnisse zeigen also, dass 3 Regionen gibt, bei denen das Erdbebenrisiko unterschätzt werden könnte:

  • Norddeutschland
  • Südwestdeutschland / Nordschweiz
  • Niederrheinische Bucht

In einer Studie (im Fachmagazin „International Journal of Earth Science“), zeigen oben genannte Geoforscher der Technischen Hochschule Aachen (RWTH), dass im Gegensatz zur Lehrmeinung auch in Norddeutschland stärkere Beben drohen.
In den Regionen stehen immerhin 7 Atomkraftwerke sowie das geplante Atommüll Endlager Gorleben!

Nach Angaben von Spiegel Online sollen AKW so gebaut sein, dass sie Erschütterungen der Intensität 7 aushalten.
Zitat aus dem Artikel:

Schon länger gab es Gerüchte über stärkere Beben in Norddeutschland in früheren Zeiten: Im Jahr 1323 etwa soll ein Salzstock bei Lüneburg kollabiert sein, der Boden habe mit der Intensität 6 gewackelt, rekonstruierten Forscher. 1410 hat es bei Prignitz in Nordwestbrandenburg offenbar einen noch deutlich stärkeren Schlag gegeben. Vom Zusammenfallen von Türmen, Burgen und Häusern berichten historische Quellen. Noch in Schleswig-Holstein seien Menschen erschrocken.

Hoffmann und Reicherter haben nun Bodenschichten auf Usedom untersucht, die überraschend deutliche Verwerfungen aufweisen: Klüfte durchziehen den Boden, mancherorts wirkt der Lehm wie zerlaufenes Kerzenwachs. Das seien die Spuren von Erdbeben, meinen die Forscher: Bei Erdbeben werden Bodenschichten versetzt – und manchmal zerläuft die Erde auch wie eine Flüssigkeit. Das Bodenzittern schüttelt das Wasser aus der Erde, das sich in Seen an der Oberfläche sammelt und fatale Rutschbahnen bildet.

Die nun entdeckten Bebenspuren auf Usedom seien mehr als 2000 Jahre alt, sagt Reicherter. Vermutlich seien sie auf nacheiszeitliche Setzung zurückzuführen: Von der Auflast der Gletscher befreit, ruckte der Boden nach oben. Die zugehörigen Bebennähte in der Erdkruste seien jedoch unbekannt, räumt Reicherter ein. Möglicherweise lägen auch anderswo in Norddeutschland Erdbebenherde im Untergrund.

Starkbeben an verborgenen Klüften abseits der Grenzen von Erdplatten sind ein gefürchtetes – wenn auch seltenes – Phänomen: 1811 und 1812 etwa trafen Starkbeben der Stärke 7 das Umland der Stadt Memphis in den USA. Bis heute suchen Geologen nach der verborgenen Nahtzone im Erdinneren, die die Beben verursacht hat. Auch in Norddeutschland sei die Erdkruste anscheinend „geschwächt“, schreiben Reicherter und Hoffmann. Im Abstand von vermutlich mehr als 5000 Jahren seien „weitere seismische Schocks möglich“. Weil nicht bekannt sei, wann es das letzte Mal gekracht hat, sei aber unklar, wann es das nächste Mal so weit ist. Ebenso unklar ist, ob es auch anderswo in Norddeutschland ähnliche Verwerfungen im Untergrund gibt. Die neue Studie zeigt: Es gibt Forschungsbedarf.

Am Ende des Spiegel-Artikels findet sich folgende sehr wesentliche Aussage, die zwingend beim Katastrophenschutz beachtet werden muss. Es ist keine Zeit mehr für Verharmlosung!

Risikokarten nur vorläufig gültig Die Erkundungen am Niederrhein zeigen, dass Erdbebenkarten immer nur vorläufig gültig sind. Die Entdeckung eines einzigen Starkbebens in der Vergangenheit macht die Karten obsolet.

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