Atomkraftgegner kündigen Protest gegen 2. MOX-Transport an

Atomkraftgegner haben Proteste gegen den für Mitte November geplanten Transport mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen angekündigt.

Am 3. November treffen sich um 13 Uhr Atomkraftgegner zu einer Demonstration. Start ist am S-Bahnhof Emmerthal.

„Viele Menschen sind durch den ersten Transport Ende September beunruhigt und wollen jetzt aktiv werden, und Ihren Unmut über die Transporte und den Einsatz dieser gefährlicheren Brennelemente im AKW Grohnde kundtun.“ berichtet Tobias Darge von der Regionalkonferenz „Grohnde-Abschalten“.

Auch norddeutsche Anti-Atom-Gruppen haben Protest und Widerstand angekündigt. Auch Gorleben ist bei MOX ein Thema, da man dort mit Hochdruck an einem Endlager arbeitet und „irgendwann“ das hochgradig strahlende Plutonium der MOX-Brennelemente dort landen könnte. So strahlt der MOX-Protest bis ins Wendland, die Ihre Beteiligung an den Protesten angekündigt haben.

Nach einer Studie der Kölner „Gesellschaft für Reaktorsicherheit“ (GRS) von 1991 können unter ungünstigen Umständen die Funktionsfähigkeit der Reaktor-Steuerung und des Notfall-Systems beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall können die brisanten Stäbe sogar platzen. Es kommen immer mehr Details zu Tage, die klar und deutlich zeigen: MOX ist keine gute Wahl, wenn man auf Atomkraft setzt.
Die GRS Studie geht noch weiter und besagt, dass Reaktoren das „Entsorgungsproblem des Plutoniums“ nicht bewältigen. Allein in „Form der direkten Endlagerung“ von Brennstäben sei „die endgültige Entsorgung des Plutoniums“ zu schaffen.

Der GRS-Studie zufolge ist die MOX-Technik nicht nur unsinnig, sondern auch leichtfertig. Der Bericht belegt, dass die westdeutsche Atomindustrie seit mehr als zehn Jahren mit den gefährlichen Brennstäben hantiert, ohne die Risiken für Reaktoren und Umwelt je sorgsam geprüft zu haben. Aber auch EON hat selbst Ende 2011 in den USA präsentiert, wie problematische MOX ist. In der Präsentation werden zahlreiche technische Details aufgeführt. Hier ist die Präsentation des leitenden Angestellten bei EON Kernkraft Wolfgang Faber, zuständig für die Brennelemente in den EON-Kraftwerken.

Es ist unverschämt und „unsozial“, wie EON und RWE tagtäglich MOX-Brennelemente einsetzen und den massiven Einsatz für die Zukunft planen, obwohl eindeutig belegt ist, wie problematisch MOX ist!

Weil plutoniumhaltige Brennstäbe im Reaktor weitaus aggressiver strahlen („Spektrumsverhärtung“) und länger im Atommeiler bleiben müssen („höherer Abbrand“) als Uran-Elemente, erhöht sich auch die „Beanspruchung des Kernbrennstoffs und der Brennelemente-Werkstoffe“ – mit gefährlichen Konsequenzen:

  • Die „Außenkorrosion“ der metallenen Brennelemente-Hüllrohre steigt – die etwa daumenstarken
    Schutzrohre, die den Brennstoff hermetisch vom Kühlwasser abschirmen sollen, verrotten also schneller
    als bei herkömmlichen Uran-Elementen.
  • Der „Innendruckaufbau“ in den MOX-Elementen ist so stark, dass unter bestimmten Bedingungen eine
    „Spaltgasfreisetzung“ droht – die Hüllrohre können durch den Gasdruck platzen, ihr hochradioaktiver Inhalt
    kann das Kühlwasser verseuchen.
  • Die MOX-Brennelemente beeinträchtigen die Wirksamkeit der das Atomfeuer regelnden Steuerstäbe im Reaktor – im Notfall könne „das sichere Abschalten des Reaktors“ gefährdet sein.
  • „Bei Störungen und Störfällen“ raube die höhere Wärmeentwicklung („Nachzerfallswärme“) der
    plutoniumhaltigen Brennstäbe den Reaktor-Bedienungsmannschaften entscheidende Sekunden, um „störfallbegrenzende Maßnahmen“ zu ergreifen.
  • Schmilzt in einem mit MOX-Brennelementen bestückten Reaktor ein Teil des atomaren Inventars, droht auch
    nach einer erfolgreichen Notkühlung noch der Super-GAU – ein Katastrophen-Szenario, das bei der Analyse von
    Kernschmelzunfällen bislang nicht untersucht wurde.

Selbst die Frage, wie verbrauchte MOX-Brennelemente nach ihrem Einsatz im Reaktor sicher transportiert und verwahrt werden können, bereitet den Atomkonzernen wie EON Kopfzerbrechen. Wegen der „durchdringenden Neutronenstrahlung“ sei es bisher schwierig, einen hinreichend sicheren Transport-Container zu entwickeln. Das bedeutet, es gibt faktisch derzeit _KEINEN_ Castor für abgebrannte MOX-Brennelemente, da die Strahlung und Hitze zu groß ist! Dies wurde bereits von Greenpeace (Heinz Smital) öffentlich deutlich herausgestellt. Doch es scheint niemanden zu interessieren…

Die in der Regionalkonferenz „Grohnde-Abschalten“ organisierten Gruppen kritisieren den MOX Einsatz massiv und fordern vehement das sofortige Verbot!
MOX gehört weder auf die Straße noch in Atomkraftwerke.

Das Thema MOX könnte in der anstehenden Landtagswahl in Niedersachsen für die CDU und FDP zum Stolperstein werden. Diese beiden Parteien werden nicht müde, die Harmlosigkeit von Atomtransporte, Atomkraft und MOX herauszustellen.

Es scheint, die aktuelle Landesregierung ist der Handlanger der in Niedersachsen stark vertretenen Atomlobby. So hat z.B. EON ihren Sitz in Niedersachsen und bringen dem Land Niedersachsen wichtige Steuereinnahmen und übt damit viel Macht aus. Man beachte die Mehrfachrolle des EON-Vorstandsvorsitzenden Teyssen (z.B. im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und Salzgitter AG) oder dem Geschäftsführer der EON Kernkraft, der auch Präsident des Deutschen Atomforums ist. Schon der ehemalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte den Verband als „Propagandazentrale der Atomkonzerne“ – sie stehe „wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind“.
EON Chef Johannes Teyssen stand noch nie hinter einem echten Atomausstieg und hat sich mit seinem Konzern EON immer wieder auf die Seite der Atomlobby gestellt. So kann man die „Einstellung“ im Handelsblatt aus Mai 2011 nachlesen, in dem er klar herausstellt, dass ein Atomausstieg bis 2020 nicht möglich ist. EON’s Energiewende ist reines Marketing, was sich in den Geschäftsberichten deutlich zeigt. Dort liest man z.B. wie EON sich mit dem Wunschtraum von Baukastenartiken Klein-Kernkraftwerken positionieren möchte und die Finanzströme in Kernkraft, Steinkohle und Gas fließen – eben nicht in die Energiewende. Diese massiven Managementfehler in der EON-Leitung wird dem Land Niedersachsen, wie auch den Angestellten zum Problem werden… So hat EON bereits einen erheblichen Stellenabbau ausgerufen – auch das steht im Geschäftsbericht unter dem Stichwort „EON 2.0“. Weiterhin ist im Geschäftsbericht 2011 nachzulesen, dass EON erwartet, dass Gorleben in dieser Legislaturperiode zum Endlager erklärt wird. Der neue Bundesumweltminister gibt in dieser Angelegenheit viel „Gas“…

Es ist spannend und bleibt spannend.

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