RWE stoppt MOX Einsatz

RWE stoppt Einsatz von Plutonium-MOX-Brennelementen im AKW Gundremmingen

Der Atomkonzern RWE wird in Gundremmingen auf den weiteren Einsatz von Plutonium-MOX-Brennelementen einstellen. Die eingesetzten noch im Reaktor befindlichen Plutonium-Elemente werden „abgebrannt“. Neue werden aber künftig nicht mehr geladen.

Die Landesregierung Bayern hat dies auf eine Anfrage der Grünen bestätigt.

RWE wird aber MOX im AKW Emsland/Lingen fortsetzen.

In den letzten Jahren gab es wiederholt Probleme mit Plutonium-MOX-Brennelementen. Es ist bekannt, dass MOX schwer zu handhaben ist und man es besser nicht einsetzt. RWE und EON als Betreiber hätten in den vergangenen Jahren den Anteil des spaltbaren Materials in den Brennelementen mehrfach erhöht. Schon 2010 hatte es 4 defekte Brennelemente gegeben. Davon 3 MOX-Brennelemente mit Mängeln. Zuletzt waren wieder 4 defekte Brennelement im November 2011 im AKW Gundremmingen C erkannt geworden. Bei Gundremmingen handelt es sich um die besonders störanfälligen Siedewasserreaktoren.

Bei dem AKW im Emsland/Lingen handelt es sich um einen Druckwasserreaktor.

Selbst der Atomkonzern EON räumte ein, dass es nur Nachteile durch den MOX-Einsatz gibt. Trotzdem plant EON MOX-Brennelemente aus der nunmehr geschlossenen Atomfabrik in Sellafield im AKW Grohnde mit der nächsten Revision einzusetzen. Auch in Grohnde gab es schon mal Probleme mit Brennelementen. Dies zeigt, dass Atomkraft doch problembehaftet ist. Dies wird immer wieder geleugnet. Risiken kann man nur bewerten, wenn man sie akzeptiert. Auf Risiken kann man nur reagieren, wenn man sie bewertet. Schon beim Katastrophenschutz ignoriert man das „Restrisiko“ und tut so, als würde niemals ein Zwischenfall eintreten. D.h. ein Zwischenfall wie in Krümmel gibt es nicht. Eine Katastrophe wie Fukushima darf es einfach nicht geben, sie passt nicht in die Statistik…

Die Grünen haben RWE nun aufgefordert, auch den Einsatz von Brennelementen aus wiederaufgearbeitetem Uran (WAU) einzustellen, da auch diese als besonders störanfällig gelten.

Das Kartenhaus der absoluten Sicherheit für die Bürger bröckelt. Die Stimmung im Land kann die Atomlobby nicht mehr drehen. Auch ist der Ausbau mit der Energiewende zu weit fortgeschritten, dass schon 2012 die Atomkraftwerke abgeschaltet werden können. Deutschland hat noch nie derart viel Strom ins Ausland exportiert. Der billige Strom geht ins Ausland und der teure Strom bleibt beim deutschen Verbraucher, der „abgezockt“ wird. Das „Konzept“ sollte die Akzeptanz der Energiewende brechen, so wohl der Plan. Dies hat trotz einer unglaublich groß angelegten Kampagne nicht gezündet.

Immer mehr Sicherheitsmängel bei den Atommeilern

Eine enorme Vielzahl von sicherheitsrelevanten Aspekten hat sich in den für Reaktorsicherheit zuständigen Bundes- und Landesbehörden aufgetürmt und nur wenig konkretes ist bekannt. Was muss eigentlich in welchem Reaktor nachgerüstet werden?
Darüber schweigen sich die Behörden aus. Diese werden die Mängelliste nicht länger in der Schublade verstecken können!
Klar aber ist:

  • In jedem der noch am Netz befindlichen Reaktoren ist eine Kernschmelze grundsätzlich möglich!
  • Alle Reaktoren sind gegen den Absturz schwerer Flugzeuge und gezielter Terrorangriffe unzureichend gesichert.
  • Alle Reaktoren sind alt und werden älter. Damit steigt die Materialermüdung überproportional. Risse, defekte Dübel, Bruchstellen, veraltete Kabelstränge, veraltete Technik, usw. Es gibt eine vielzahl versteckter und unerkannter Mängel.

Zu dieser Erkenntnis findet sich im Atomgesetz in Deutschland eine klare Vorgabe: Die Genehmigung ist zu entziehen, wenn der Mangel nicht schnell behoben werden kann.

Einen Eindruck, wie vielschichtig und komplex die Sicherheitsfragen sind, zeigt auch eine im März 2011 veröffentlichte Studie. Diese bezieht sich auf die Sicherheit der Atomreaktoren in Baden-Württemberg und wurde für den BUND erstellt. Sie kam passend zur Fukushima Katastrophe und dürfte auch mit ein Ausschlag für die Abschaltung der „Alt“-Reaktoren gewesen sein.
So schriebt der BUND mit Blick auf die beiden noch laufenden Reaktoren:

Auch die neueren Alt-AKWs Neckarwestheim 2 und Philippsburg 2 haben der BUND-Studie zufolge große Sicherheitsmängel. So zählt Philippsburg 2 mit einem technischen Design aus den 1970er Jahren und großen Problemen beim so genannten Bruchausschluss von zentralen druckführenden Leitungen zu den störanfälligsten Reaktoren. Diese Probleme lassen sich auch durch umfangreiche Nachrüstungen nur teilweise in den Griff bekommen. Beide Reaktoren erfüllen nicht die gesetzlichen Sicherheitsstandards, die seit 1994 gelten.

Es gibt auch für das AKW Grohnde eine Liste mit zahlreichen Mängeln, die bisher nicht bekannt sind. Erst kürzlich hat EON seine mit bereits 10 Mio EUR installierte weitere Leistungserhöhung abgesagt. Der Antrag wurde zurückgezogen. Man verargumentierte dies mit dem anhaltenden Protest. Doch jeder weiß, dass Protest bei einem Atomkonzern kaum zum Einlenken führt. Es müssen also technische Schwierigkeiten und sicherlich auch Materialermüdungen vorliegen, die EON bekannt sind. Der EU-Stresstest dürfte auch seinen Einfluss gehabt haben. So hat man besser auf die neuerliche Leistungserhöhung verzichtet. Dies wurde nach einem Gespräch hinter geschlossenen Türen in der Landesregierung Niedersachsen und im Rahmen der EU-Stresstest-Vorstellung veröffentlicht. Das mutet schon sehr merkwürdig und lässt Kritiker aufhorchen…

Die Umrüstung kostet zu viel

Keiner der verantwortlichen Stellen vermag den Atomkonzernen die hohe Bürde der Kosten für die Umrüstung auferlegen.

Ist es beispielsweise möglich und finanziell von EON zu leisten, das sicherheitsrelevante Rohrsystem des AKW Grohnde zu sanieren oder gar komplett auszutauschen?

Man riskiert offenkundig z.B. eine mögliche Kernschmelze auf Kosten der Allgemeinheit. Die Störfälle steigen stetig. Die Qualität der Störfälle wird auch immer weiter steigen. Es ist unverantwortlich und ignorant nichts zu tun! Es wäre gar zu prüfen, ob diese Unterlassung nicht eine strafrechtliche „Qualität“ hat. Vielleicht wird diese Frage im Wahlkampf in Niedersachsen und auch im Bundestagswahlkampf aufgegriffen…

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