Atomkraft-Krise? Welche Atomkraft-Krise?

Am 13.5. hat die Frankfurter Rundschau einen generellen Blick auf die Geschichte der Atomkraft in Deutschland geworfen. Viele der dort aufgezeigten Aspekte werden gern unter den Tisch gehalten. Passend der Titel

Atomkraft in Deutschland – Genug gescheffelt

Die Atomkonzerne haben wirklich genug gescheffelt und das mit bereits abgeschriebenen Kraftwerken, die Land auf und Land ab völlig veraltet sind, schlecht gewartet und nur um das aller aller nötigste Aufgerüstet wurden. Wohl zum Glück sind uns die letzten beantragten Leistungserhöhungen der „Schrottreaktoren“ erspart geblieben. Die Politik gibt, entgegen dem absoluten und zwingenden Sicherheitsgedanken bei der katastrophalsten Hochrisikotechnologie, die der Mensch je eingeführt hat, nach. Der Druck fehlt, für relevanten Maßnahmen für eine zeitgemäße Sicherheit.
Um so mehr freut es die Aktioniäre, dass die Konzerne weiterhin fett abzocken und alle Risiken und Kosten abwälzen. Das glaubt Ihr nicht? Hier das beste Beispiel dazu:

Das AKW Isar 2 ist wieder einmal der Produktionsweltmeister! Keines der weltweit rund 440 Atomkraftwerke lieferte im Jahr 2013 mehr Strom als der Reaktor in der Nähe von Landshut.

Und wer meint, die Atomkonzerne hätten seit 2000 verstanden, dass die Atomkraft ein Auslaufmodell ist, sollte sich mit dem EON Management kritisch auseinander setzen. Denn unter Rot-Grün gab es einen zivilrechtlichen Vertrag zwischen der Gesellschaft vertreten durch die Bundesregierung und den großen Quasimonopolisten im Energiemarkt. Wer hat sich nicht an die Vereinbarung gehalten? Selbst der Atomausstieg von 2011 ist noch immer nicht bei den Energiekonzernmanagern angekommen, wie sonst lässt sich so eine aktuelle Aussage erklären?

EON-Manager sagt stolz: Das sei „eine eindrucksvoller Leistungsnachweis für Kerntechnik made in Germany“.

Es lohnt sich aber auch der Blick in die Bilanzunterlagen von EON und RWE. Statt von einem Atomausstieg kann man immer wieder die Fortsetzung der Atomstrategie erkennen – schwarz auf weiss.

http://www.eon.com/de/investoren.html
http://www.rwe.com/web/cms/de/105818/rwe/investor-relations/

Den größten Lacher hat EON mit seinem gesellschaftlichen Engagement und dem Konzept der Nachhaltigkeit. Man darf sich fragen, was genau bei dem Konzern nachhaltig ist? Der Stellenabbau, die Abzocke bei den Kunden/Verbrauchern oder die Zerstörung der Umwelt?
Lest selbst:
http://www.eon.com/de/nachhaltigkeit/management.html
https://www.eon.com/de/nachhaltigkeit/management/arbeitsprogramm-2012-2015.html

Nachhaltig ist definitiv das Missmanagement, welches sich in den letzten 5 Jahren an dem Kurs der Aktie sehr gut messen lässt.
EON: von 30 EUR im Jahr 2009 auf 12 EUR im Jahr 2013 (Kurshalbierung!)
RWE: von 68 EUR im Jahr 2009 auf 21 EUR im Jahr 2013

Nicht minder lächerlich ist aber auch das Engagement, welches sich RWE -zumindest auf dem Papier- vorgibt: http://www.rwe.com/web/cms/de/179662/rwe/verantwortung/
Da fragt sich jeder noch selbstdenkende Kunde, wie europas größte CO2-Dreckschleuder auch nur im Ansatz einen Nachhaltigkeitsansatz zuschreiben kann! Nachhaltig ist die absolute und auf Jahrtausende festgeschriebene Umweltzerstörung!

RWE hat aber auch noch andere Knaller im Programm. Satire ist der Dauerbrenner im Konzern-Programm:
http://www.rwe.com/web/cms/de/184336/rwe/innovation/

Da der Eingangs erwähnte Artikel nicht nur einfach nennenswert ist, hier wie folgt zitiert:

Von Joachim Wille
Die Geschichte der Atomkraft in Deutschland ist die Geschichte über eine Gelddruckmaschine, die erst niemand wollte. Jetzt läuft sie nicht mehr rund – Eon & Co. wären sie gerne los.

Atomkraft-Krise? Welche Atomkraft-Krise?

Ralf Güldner, der Präsident des Deutschen Atomforums, verkündete die gute Nachricht jetzt auf der Jahrestagung seiner Organisation in Frankfurt: Das AKW Isar 2 ist wieder „Produktionsweltmeister“. Keines der weltweit rund 440 AKW lieferte 2013 mehr Strom als der Reaktor, der in der Nähe von Landshut steht. Und gleich zwei weitere deutsche AKW finden sich unter den „Top Ten“. Güldner, ein Eon-Manager, stolz: Das sei „eine eindrucksvoller Leistungsnachweis für Kerntechnik made in Germany“.

Jene Kerntechnik, die die Stromkonzerne samt der Verantwortung für Abriss und Endlagerung am liebsten ganz schnell loswerden wollen. Während die Atomlobby-Organisation tagte und sich selber lobte, versuchten drei der vier AKW-Betreiber ihre Reaktoren, die seit dem Fukushima-Ausstieg noch am Netz sind, dem Staat anzudrehen.

Das Ziel der Konzernchefs Teyssen, Terium und Mastiaux: Der Bund solle die Reaktoren bis zur festgelegten sukzessiven Abschaltung bis 2022 künftig selbst betreiben. In Form einer öffentlich-rechtlichen Stiftung – einer Art „VEB Atom“, einem Betrieb für volkseigene Kernspaltung und Atom-Endlagerung.

Welch eine Kehrtwende. Noch 2009 hatten die Konzerne alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den rot-grünen Atomausstieg aus dem Jahr 2000 zu kippen. Sie forderten eine Laufzeitverlängerung für die damals noch 17 betriebenen Reaktoren, die für sie wie Gelddruckmaschinen mit einem Gewinn von rund einer Million Euro pro Reaktor und Tag fungierten. Ein Wunsch, den die schwarz-gelbe Koalition ihnen 2010 dann auch erfüllte. Der Atomstrom sollte die „Brücke ins Solarzeitalter“ bilden, so die Begründung der Merkel-Regierung.

Das Ende des „Atomzeitalters“ schien bis in die 2030er Jahre hinausgeschoben – und nicht wenige in der Nuklearbranche hofften damals, auch ein Neubau von AKW könne in Deutschland dann wieder möglich sein. Es wäre die Fortsetzung der goldenen Jahre der Atomkraft gewesen – einer Energieform, die von der Politik in den 1960er Jahren sogar zuerst gegen den Willen der Stromkonzerne durchgesetzt werden musste. Denn damals setzten sie voll auf Kohlestrom.

Kanzler Erhard (CDU) persönlich las RWE die Leviten, weil das Unternehmen mit einem Reaktor-Großauftrag zögere und so die Industrie „von dem atomtechnischen Fortschritt ausgesperrt“ werde. Die Skepis bei den Konzernchefs verflog, als die Bundesregierung begann, die Atomkraft großzügig zu fördern. Der Staat begrenzte die Haftung des jeweiligen AKW-Betreibers für Atomunfälle auf 500 Millionen D-Mark – eine Summe, die bei einem Super-GAU niemals ausgereicht hätte. Aber es flossen auch direkte und indirekte Subventionen, zum Beispiel, indem die Atomkraft-Sicherheitsforschung finanziert wurde oder die milliardenschweren Rückstellungen der Konzerne für AKW-Abriss und Entsorgung steuerfrei gestellt wurden. Laut einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) summierten sich die Hilfen zwischen 1950 und 2010 auf rund 204 Milliarden Euro. Atomkraft erschien auch deswegen nur so „billig“, weil der Staat einen Großteil der Kosten übernahm.
Wirtschaftlichkeit infrage gestellt

Inzwischen haben die „Gelddruckmaschinen“ öfters mal Aussetzer. Der Grund: An der Leipziger Strombörse sind die Großhandelspreise für Elektrizität in den Keller gegangen – eine Folge des boomenden Ökostroms, der Vorrang bei der Einspeisung hat. „Die AKW-Betreiber verdienen zwar immer noch Geld, aber nicht mehr so viel wie früher“, urteilt der Energieexperte des Öko-Instituts, Felix Matthes.

Eon-Manager Güldner warnte bei seinem Auftritt in Frankfurt sogar: Die Wirtschaftlichkeit der Reaktoren sei „in dieser Situation infrage gestellt“ – und zwar „durch die Kernbrennstoffsteuer“. Diese Steuer war von der schwarz-gelben Bundesregierung 2010 parallel zur Laufzeitverlängerung neu eingeführt worden, um einen Teil der so entstehenden Zusatzgewinne abzuschöpfen, und auch nach der Fukushima-Wende beibehalten worden. 2013 brachte sie rund 1,4 Milliarden Euro in die Kassen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die Konzerne spekulieren zwar nach mehreren Urteilen von Finanzgerichten darauf, dass die Brennstoffsteuer endgültig kippt und an sie zurückerstattet werden muss. Außerdem haben RWE und Eon gute Chancen, die Schadenersatzprozesse gegen Bundesländer wegen der acht Reaktor-Abschaltungen nach Fukushima zugewinnen, bei denen es um dreistellige Millionen-Summen geht. Trotzdem: So viel Profit wie früher werden die Reaktoren angesichts der weiter sinkenden Börsenstrompreise nie wieder bringen. Bleibt die Brennstoffsteuer, könnten die Meiler künftig sogar Verluste einfahren.

Für Eon und Co. dürfte das den Ausschlag dafür gegeben haben, den Vorschlag für den Atom-Deal zu entwickeln – das AKW-Geschäft an den Staat abzutreten und ihm das mit einer Überweisung von 30 Milliarden Euro zu „versüßen“, die die drei Konzerne für AKW-Abriss und Entsorgung in ihren Rückstellungen haben. Der Bundesregierung war das nicht verlockend genug. Den Schwarzen Peter hat der Staat aber so und so. Gehen die Konzerne pleite, bleibt die Entsorgung des ganzen Atomzeitalters an ihm hängen – und am Steuerzahler.

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Eine Antwort zu Atomkraft-Krise? Welche Atomkraft-Krise?

  1. detlef schreibt:

    Liebe Leute, ich unterschreibe das alles von der ersten bis zur letzten Zeile. Nur, was folgt daraus? Uns interessiert doch zuerst, wann die restlichen 9 Atomkraftwerke in D’land abgeschaltet werden und dass dies schneller geschieht als geplant. Zweitens interessiert, wann die übrigen 137 Reaktoren in Europa abgeschaltet werden und dass dies endlich in Gang kommt. Deshalb: wenn sie als erstes 5 weitere AKWs in diesem Jahr (also bis 31.12.2014) stilllegt, werde ich die Stiftung wohlwollend betrachten. Das geht. Und spart auch noch Entsorgungskosten.

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