Atomprofite vor Naturschutz?

Wenzel EU Wahlkampf 2014Kassler Regierungspräsidium opfert brütende Haubentaucher an der Weser für AKW Reparatur

Die Weser führt derzeit Niedrigwasser, da es zu wenig Schnee und Regen in den letzten 6 Monaten gab. Die Weser hat sich in den letzten Jahren wieder zu einem ökologischen Wunder der Natur gemausert und hat stellenweise Vorzeigecharakter, nicht zuletzt auch durch die unermüdliche Arbeit von Naturschützern. Doch als Störeinflüsse der Weser wirken K+S mit massiver immer am oberen Limit eingeführte Versalzung sowie das Atomkraftwerk Grohnde mit zu warmem Abwasser. Bekanntlich brüten im Frühjahr zahlreiche Vorgelarten im Flusslauf der Weser.

Im April war im Atomkraftwerk Grohnde zu Beginn der Revision der Generator mit Totalschaden ausgefallen. EON gehen durch die Verzögerungen zum Wiederanfahren des Reaktor zig Millionen Einnahmen verloren. Zudem muss der Atomkonzern große Kosten für den Generatortausch investieren. So ein Generator ist ein Monstrum und muss über die Weser transportiert werden. In der Nacht zum Montag ist die erste 400 Tonnen schwere Lieferung eingetroffen und wartet vor der Schleuse in Hameln auf die zweite Lieferung von noch mal rund 200 Tonnen. Die Anlieferung der zweiten Lieferung zum Atomkraftwerk Grohnde ist nur möglichen, wenn genug Wasser in der Weser geführt wird. Dies ist eben aktuell nicht der Fall. So wurde eine gigantische Flutwelle erzeugt, die durch die Erhöhung des Wasserablass über 2 Tage aus der Edertalsperre von zuvor 6m³/Sek. auf 33m³/Sek.

Trotz Bedenken der unteren Naturschutzbehörde hat sich das Kasseler Regierungspräsidium zum Handlanger des Atomkonzerns EON gemacht. Mit der künstlich erzeugten Flutwelle auf der Weser, werden in der Brutzeit die Tiere im Flussverlauf massiv gefährdet! Dies konnte in Gesprächen am Donnerstag in Erfahrung gebracht werden. Im niedersächsischem Umweltministerium und in der zuständigen Behörde in Kassel wollte sich niemand des Themas annehmen. Man verwies an andere Zuständigkeiten oder sei in einem ganztägigen Termin. So sieht Verantwortung in verantwortlichen Behörden aus!

Atomkraftgegner erwägen in dieser Sache Anzeige wegen dem Tötungsverbot, welches sich auf klare rechtliche Grundlagen stützt.
http://www.energieland.hessen.de/mm/WKA-Leitfaden.pdf
http://www.bfn.de/0306_eingriffe-toetungsverbot.html

Unklar ist noch, welche Bereiche von der Flutwelle betroffen sind. Es grenzen Schutzgebiete an (Nationalperk und FFH-Schutzgebiet).
Das Umweltministerium in Hannover muss nun klären, ob im Vorfeld eine FFH-Verträglichkeitsprüfung (EU-Recht) durchgeführt wurde.

Auf Anfrage beim Landkreis Waldeck-Frankenberg war keine Stellungnahme zu erhalten. Die untere Naturschutzbehörde wird im Gespräch darauf hin, dass es zahlreiche Vogelarten im Umfeld der Weser gibt, unter anderem Haubentaucher, der in seiner Art immer weiter rückläufig ist. Die Tiere im Flusslauf wären durch die künstliche Flutwelle samt ihrer Brut gefährdet. Das Kassler Regierungspräsidium opfert offensichtlich rücksichtslos für wirtschaftliche Interessen wesentliche Naturschutzbelange. EON ist ebenso rücksichtslos und entzieht sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung, die ihre Atomkraftwerk Grohnde so schnell als möglich wieder jeder notwendigen Vorsorge durch ausgeweitete Sicherheitsprüfungen wieder an Netz bringen will. Dies passt in das Gesamtbild, welches durch die Spiegelveröffentlichung am letzten Wochenende bekannt wurde. Gewinne streichen die Konzerne rücksichtslos ein, aber Risiken und Kosten soll der Staat mit seinen Steuerzahlern tragen. EON unterlässt es fahrlässiger Weise, die bekannten Mängel und Probleme im Kraftwerk zu beheben. Die Anfang 2013 bekanntgemachten 30 wesentlichen Mängel wurde auch nach über einem Jahr nicht angegangen, man will dies zusammen mit der rot-grünen Regierung in Hannover aussitzen und wartet auf den SuperGAU.

Atomkraftgegner hatten in der Nacht zum Montag aufgedeckt, dass es sich bei dem Ersatzgenerator um
ein altes, gebrauchtes, sichtlich schrottreifes und Modell handelt, dessen rostigen Schweißnähte
nur notdürftig übergepinselt wurden. Der Generator wurde zuvor schon jahrelang im AKW Phillippsburg eingesetzt. Da es sich bei Atomanlagen nicht um milchproduzierende Unternehmen handelt, sondern die Atomkraft die gefährlichste Risikotechnologie ist, muss die Aufsichtsbehörde, wie auch das Wirtschaftsunternehmen EON in Hinblick auf den Investitionsschutz der Aktionäre gegen den Fall eines SuperGAUs maximale Sicherheit gelten lassen und sehr genau den Weiterbetrieb unter der aktuell zu bewertenden Lage prüfen. So stehen die zahlreichen offenen Mängel im Raum, es sind die selbst von EON bestätigen schwer zu führenden MOX Brennelemente im Reaktor eingesetzt und jetzt wird zudem auch noch ein zu kleiner, völlig veralteter und verrosteter Generator zum Einsatz vorbereitet! Das sind zu viele Probleme, die zwangsläufig die Sicherheitslage verschärfen! Man bedenke bei dieser Betrachtung, dass Grohnde das Atomkraftwerk mit den meisten Störfällen ist und dabei weltweit eines der stromstärksten Leistungskraftwerke ist. Die Aufsichtsbehörden dürften es nicht verantworten, dass solche veralteten Schrottreaktoren weiterhin die Energiewende aufhalten und völlig unnötig in die Stromproduktion eingebunden werden. Niemand benötigt heute den Strom aus dem AKW Grohnde – eine Stilllegung ist sofort ohne Einschränkungen bei den Bürgern und Unternehmen möglich – nein, es wäre eine Entlastung des Stromnetz für die Vorfahrt der im Weserbergland produzierten erneuerbaren Energien!

Die Atomkonzerne haben seit 2000 die Energiewende verschlafen, massenhaft Managementfehler zu verantworten und wollen nun kurz vor dem politisch zum zweiten mal fixierten Atomausstieg den schnellen Euro machen – unbeachtet der Sicherheitsinteressen der Bevölkerung und hier jetzt auch der schützenswerten Natur, über die Haupentaucher hinweg.

Wo ist die Verantwortung und die Beachtung der Nachhaltigkeitsgrundsätze, die sich EON selbst auferlegt hat. Wo ist die gesellschaftliche Verantwortung von EON? Mit einer Spende an einen Fußballverein kann man das nicht erreichen – das ist Betrug am Bürger, genau so wie die Idee der BadBank für die Atomkonzerne!

Wir haben nur eine deutliche Forderung: sofortige Stilllegung des AKW Grohnde!

KONKRET FORDERN DIE ATOMKRAFTGEGNER VON DER ATOMAUFSICHT:

  • eine umfassende, öffentliche Aufklärung des Generator-Defektes
  • eine komplette Sicherheitsüberprüfung des AKW, bei dem auch jene Prüfpunkte und offenen Anforderungen abgearbeitet werden, die in den vergangenen Jahren der Routine zum Opfer gefallen sind
  • den Nachweis, dass der Generator ohne Sicherheitsprobleme in der alten Anlage betrieben werden könnte
  • maximale Rücksicht auf Mensch, Natur und Umwelt bei allem Handeln

Die Atomaufsicht wie auch EON müssen vermeiden, dass ein beinahme SuperGAU wie 2007/2008 in Krümmel verhindert wird. Die Analogie ist nicht von der Hand zu weisen. Damals wollte der Betreiber Vattenfall zurück in den Markt und wollen nur schnelles Geld verdienen, haben aber der Sicherheit keine Priorität gegeben.

Der Reaktor Krümmel war nach einem Trafo-Brand im Sommer 2007 vom Netz gegangen. Die schleswig-holstei­nische Atomaufsicht ließ die Stillstandszeit für weitgehende Sicherheitsüber­prüfungen nutzen, die immer mehr (auch bis dato unbemerkte) Probleme aufdeckten. 2008 wurde der Reaktor mit einem Alt-Trafo aus Brunsbüttel wieder in Betrieb genommen, aber auch dieser Trafo brannte nach weniger Tagen aus. Seitdem ging das AKW Krümmel nicht mehr in Betrieb.

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