Das Grohnde Desaster – immer mehr kaputt

Seit der üblichen jährlichen wiederkehrenden Revision Ende April im Atomkraftwerk Grohnde kommen scheibchenweise immer mehr technische Schäden zu Tage. Angefangen hat es mit einem Totalschaden im konventionellen Bereich des Kraftwerks. Der Generator ist ungeplant „einfach“ so kaputt gegangen. Der Austausch kostet EON zig Millionen durch den Austausch des über 500 Tonnen schweren Generators und der nicht abzuschätzenden Ausfallzeit.

Dann kommt der nächste Schock. Ein Teil wurde als „Fremdkörper“ im Reaktor identifiziert. So ein frei umher schwimmender Fremdkörper kann für erhebliche Schäden sorgen, wie z.B. bei den Brennstäben.
Insbesondere ist aber kritisch, dass es sich bei dem Teil -ein „Drosselkörper“- um die Strömungssteuerung handelt, welche unter anderem die Überhitzung im Reaktor verhindert. Über die punktgenaue Zuleitung und Steuerung von Kühlung und der Ableitung der Hitze kann der Reaktor im sicheren Bereich gehalten werden. Klar sein dürfte, was es bedeutet, wenn diese hochsicherheitsrelevante Steuerung defekt ist.

Wenige Tage später, der Ersatzgenerator wurde als äußerlich verrosteter Schrott mit großen logistischen Aufwand angeliefert, kommt der nächste Schlag. Weitere Teile der Strömungssteuerung sind kaputt. Die Überprüfung der insgesamt 132 Drosselklappen ist aber noch lange nicht abgeschlossen (Quelle Weser Kurier).

Das fast 30 Jahre alte und über die geplante technische Einsatzzeit hinausgewachsene Atomkraftwerk ist zum Schrottreaktor geworden. Die „Perle“ des Atomkonzerns EON macht Ärger und wird immer mehr zum wirtschaftlichen Desaster!

Die seit Jahren erkennbaren Fehlentscheidungen des EON Managements spiegeln sich im Aktienkurs wieder. In den letzten 5 Jahren ist die Aktien von ca. 30 EUR auf teilweise unter 13 EUR gefallen! EON ist hochverschuldet und hat wohl kaum Spielraum für Großinvestitionen. Die wirtschaftliche Nettoverschuldung entspricht 1:1 dem Umsatz, wobei seit Jahren der Gewinn massiv rückläufig ist. Details im letzten Zwischenbericht 1.2014 ersichtlich (PDF) (Excel)

Fragt man EON Kunden in Bezug auf Service, Kompetenz oder die Energiekostenabrechnungen, so zeigt sich ein Bild der Empörung. Ständig falsche Rechnungen, Lastschriften werden als Gutschriften überwiesen. Nicht einmal Zählerstände kann EON ablesen oder korrekt zuordnen. Scheinbar herrscht im Hause EON Endzeitchaos! EON hat ein Kosteneinsparungsprogramm angefahren, dass offensichtlich selbst in Atomkraftwerken zur Handungsunfähigkeit gedeiht.

Die Atomkraftgegner haben in Bielefeld Anfang Mai den Stadtrat über die Sicherheit rund um Grohnde nachgefragt. Einstimmig haben CDU, SPD und die Stadtwerke Bielefeld (ca. 17% am AKW beteiligt) versichert: „Das Kraftwerk ist sicher“ und warnten vor „unnötiger Panikmache“. Welch ein Hohn, nach aktuellem Informationsstand!

Wie kann die Politik den Bürgern erklären, dass ein Konzern EON -völlig überschuldet- mit diesen eklatanten Sicherheitsproblemen bei einem veralteten Reaktor irgendwann wieder mit einer solche Hochrisikotechnologie „Atomkraftwerk“ ans Netz soll, obwohl Deutschland eine völlige Strom-Überproduktion aufweist? Die großen Energiekonzerne müssen ihre für eine Energiewende wichtigen Gaskraftwerke massenhaft vom Netz nehmen, um die hoch problematischen Energiedinosaurier „Atomkraftwerke“ und „Kohlekraftwerke“ weiter am Netz zu halten. Wo ist die Abwägung von Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in der maßgebenden Politik?

Wie sollen Konzerne, mit nicht vom Tisch zu wischenden Konkurspotential, den Rückbau der Atomkraftwerke stämmen und eine Atommüllentsorgung über zig Millionen Jahre sicherstellen?

Grohnde dürfte stellvertretend für die Situation aller deutschen noch am Netz befindlichen Atomkraftwerke stehen. So z.B. gab es in Philipsburg, Gundremmingen immer wieder Probleme, so auch bei Emsland oder Isar-II oder Brokdorf…
Einen guten Überblick der Masse an Störfällen findet sich auf der Seite contratom.de die zeigt, Atomkraft ist störanfällig. Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima haben bewiesen, Atomkraft ist gefährlich bis tödlich!

Die Politik muss endlich einschreiten!
Volksverarsche war gestern, jetzt stehen Mut zur echten Energiewende und zukunftsweisende Entscheidungen für eine erneuerbare Zukunft bis 2020 auf dem Plan! Wir können Deutschland zum Technolgiestandort und zur Marktführerschaft im Zukunftsmarkt der erneuerbaren Energien ausbauen. Damit würden massenhaft Arbeitsplätze gesichert und zahlreich über Jahre hinweg geschaffen.

Eines muss klar sein, die Kosten der Atomenergie-Folgen können und dürfen nicht die Bürger tragen. Der Steuerzahler hat gigantische direkte und indirekte Subventionen in die Atomkraft investiert, die Energiekonzerne haben sich riesige Gewinn in die Taschen gesteckt und an zu hohe Gehälter von Vorständen und leitenden Personal sowie als Dividende an Aktionäre ausgeschüttet. Die Rücklagen sind zu niedrig und massiv gefährdet.

So ist es kein Wunder, dass die Atomkonzerne die Forderung als Rettungsanker auswerfen, um die Atomkraftwerke mit allen Problemen und Folgekosten an den Steuerzahler zu übergeben. Frei dem Motto Gewinne bleiben bei den Konzernen und Aktionären und Kosten und Risiken soll der Staat tragen. Die Forderungen nach einer „Bad Bank“ für Atomkonzerne ist unverhandelbar!

Dabei unangesprochen bleibt die Frage, die sich mit dem Gerichtsurteil zu Brunsbüttel ergeben hat: Wie sicher sind Atomanlagen nach dem aktuellen Stand der Technik! In dem Verfahren wurde die Betriebsgenehmigung für Kraftwerk und Zwischenlager massiv in Frage gestellt. Diese Klärung steht für alle deutschen Atomanlagen aus! In Grohnde ist der fehlende Terrorschutz ein offenes Geheimnis…

Die Atomkraftgegner haben auch immer wieder auf die unzumutbar mangelhaften Katastrophenschutzpläne hingewiesen. Und was ist nach den vielen Versprechungen passiert? Faktisch: NICHTS. Überhaupt nichts wurde weder geklärt noch umgesetzt, nach mehr als 3 Jahren nach den Erkenntnissen aus Fukushima.

Die Atomkraftgegner aus dem Umfeld von Grohnde haben seit Jahren auf unterschiedliches Probleme hingewiesen. Eine 30-Punkte-To-Do-Liste liegt seit über einem Jahr fast unbearbeitet auf dem Tisch des Umweltministeriums in Hannover.

Wann also wird gehandelt!?

Wann endet die Zeit der Geheimnisse? Wann werden alle Daten, Fakten und Termin sofort, transparent und für jeden Bürger einsehbar offen gelegt. Wo finden sich die Analysen der täglichen Abgasdaten und die Termin der Öffnung des Reaktordeckels? Wo finden sich zeitnah die Einzelheiten zu den aktuellen und vergangenen Störfällen?

Wann erfahren wir, in welche Risikoklasse die aktuellen Störfälle fallen? Wann können wir die Studien und Prüfberichte einsehen, damit sich die Bürger ein Bild von dem Ausmaß an wirtschaftlichen und politischen Versagen machen können?

Herr Wenzel: Fakten auf den Tisch – SOFORT!

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