Belgien warnt: Grohnde muss dringend untersucht werden

Es gibt Meldungen, die schwerwiegende Probleme mit dem Material bei Atomkraftwerken nennen, die in Belgien aktenkundig geworden sind. Diese Meldungen sind sehr beunruhigend und bestätigen, was Atomkraftgegner zum AKW Grohnde seit Jahren ins Gespräch bringen. Eine entsprechende ToDo Liste liegt der Aufsichtsbehörde im Umweltministerium Niedersachsen seit vielen Monaten vor. Die Behörden sind scheinbar weitestgehend untätig und wiegelt in den erfolgten Gesprächen dazu eher ab.

Zwei renommierte Materialwissenschaftler warnten am Freitag nach einer Neubewertung davor, die Risse könnten durch ein bisher unbekanntes Phänomen der Materialermüdung entstanden sein. Davon könnten auch die deutschen Atomkraftwerke betroffen sein.

Eine engagierte Politikerin aus Süddeutschland kennt diese Probleme in Belgien und hat gute Kontakte. Sie hatte in Belgien Verhandlungen und Gespräche zu solchen Risiken geführt. Auf Grund der nun vorliegenden Informationslage, ist sie aufgeschreckt und hat Verantwortliche in Deutschland offiziell informiert. Es kann später niemand sage, man hätte nichts davon gewußt.

Folgende eMail möchten wir dazu veröffentlichen und geben dabei den Verteiler der Mitteilung mit aus.

———————— Ursprüngliche Nachricht ————————-
Betreff: Belgien warnt – Grafenrheinfeld und Grohnde dringend untersuchen
Von: „Brigitte Artmann“
Datum: Mi, 18.02.2015, 12:33
An: „Ministerpraesident Seehofer“
Hans.Kuehlewind@stmug.bayern.de
Cc: Femke Hustert (Büro Sylvia Kotting-Uhl MdB)
„Kotting Uhl MA 01 Bastian Zimmermann“
„Stefan Wenzel Umweltminister“
„Smital Heinz“
„Haverkamp Jan“
„Glorieux Eloi Greenpeace Belgien“
————————————————————————–

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Seehofer,
sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Kühlewind,

gerne möchte ich noch einmal auf mein gestriges Schreiben zurückkommen. Zumindest für Bayern gilt, ich habe mehrfach gebeten, den Grafenrheinfeld Reaktor mit rissanfälligem Stahl durch Intercontrole von Areva zu untersuchen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Dies ist nicht geschehen.

Auch Grohnde hat diesen rissanfälligen Stahl im Reaktor. Herr de Rovere, der frühere Chef von FANC entdeckte mit dieser Methode die Risse in den Reaktoren von Doel 3 und Tihange 2. Sein Nachfolger, Jan Bens, rät nun dem Rest der Welt alle Reaktoren zu untersuchen. Für Nuclear Transparency Watch hatte ich im Rahmen unserer Untersuchungen über Katastrophenschutz häufigen Kontakt mit FANC und mit dem belgischen Crisis Center. Ich führte auch die Verhandlungen für NTW mit FANC um Herrn Ministerialdirigenten a.D. Dieter Majer als unseren Beobachter in der Untersuchungskommission von FANC zu haben. Wenn Jan Bens nun warnt, dann ist Feuer unterm Dach.

Bitte schalten Sie ab und lassen Sie Grafenrheinfeld mit den von FANC angewandten Methoden untersuchen. Ich bin in die Materie der verschiedenen Untersuchungsmethoden involviert, durch FANC und durch SUJB. Die Reaktoren in Grafenrheinfeld und Grohnde wurden bisher nur an der Oberfläche bis in 5 mm Tiefe untersucht. Bitte sind Sie so freundlich und legen Sie der Öffentlichkeit die Untersuchungsergebnisse von Grafenrheinfeld vor, im Interesse der öffentlichen Sicherheit ist das zwingend erforderlich.

Niemand gibt Garantie, dass Grafenrheinfeld bis zum Ende der Laufzeit am 31. Mai 2015 durchhält. Sie überwachen eine Risikotechnologie, die in jedem Augenblick absoluter Sicherheit bedarf. Einige Artikel, die im Internet über Grafenrheinfeld zu finden sind, lassen das Schlimmste vermuten. Meine Immobilien stehen in direkter Hauptwindrichtung in einem Gebiet, das die SSK noch in ein Risikogebiet einstuft. Ich vermute, Schadensersatzforderung werde nicht nur ich im Ernstfall an den Leiter der ? unabhängigen – bayerischen Atomaufsicht richten müssen. Es wäre in diesem Sinne wichtig, dass die bayerische Atomaufsicht mit den von FANC angewandten Methoden alle ihre verbleibenden Reaktoren überwacht – Grafenrheinfeld, Isar II und Gundremmigen ? und die Ergebnisse im Interesse der öffentlichen Sicherheit veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Brigitte Artmann

Es wird dabei unter anderem Bezug auf Pressenmitteilungen zu dem akuten Fall in Belgien genommen. So möchten wir auf den folgenden Artikel vom 17.02.2015 in der TAZ zitieren:

Risse in Atomreaktoren – Belgien warnt den Rest der Welt

Die Schäden in den AKWs von Belgien sind größer als bisher bekannt. Die Atomaufsicht fürchtet ein „Problem für den ganzen Nuklearsektor“.

In den Reaktordruckbehältern der beiden belgischen Atomkraftwerke Doel 3 und Tihange 2 gibt es deutlich mehr Risse, als bisher bekannt war. Eine neue Analyse habe ergeben, dass sich in den stählernen Behältern, die das Herzstück eines Atomreaktors bilden, nicht 10.000, sondern mehr als 16.000 feine Risse befinden, gab der Chef der staatlichen Atomaufsicht FANC, Jan Bens, am Freitag bekannt.

Gegenüber dem öffentlichen belgischen Fernsehsender VRT äußerte Bens zudem eine eindringliche Warnung an andere Länder. „Das ist möglicherweise ein weltweites Problem für den ganzen Nuklearsektor“, sagte er. „Wir haben unsere internationalen Kollegen bereits informiert und beraten.“ Das sehen die beiden Wissenschaftler, die die neue Untersuchung durchführten, genauso. „Ich wäre tatsächlich verwundert, wenn das nirgendwo anders auch aufgetreten wäre“, sagte Walter Bogaerts von der Universität Leuven. „Ich befürchte, die Korrosionsaspekte wurden unterschätzt.“

Die ersten Risse in den Reaktordruckbehältern der beiden belgischen Reaktoren wurden im Sommer 2012 entdeckt. Nach einer Untersuchung gingen diese zunächst wieder ans Netz; nach neuen Materialtests ließ die Atomaufsicht sie im Juli 2014 erneut abschalten. Bisher wurden die Risse auf Wasserstoffeinschlüsse bei der Herstellung des Stahls zurückgeführt. Die jüngsten Aussagen deuten nun aber eher auf eine Materialermüdung hin. Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital fordert darum, sämtliche 439 Reaktoren weltweit genau zu überprüfen: „Es ist dringend notwendig, die Risse im Metall ernster zu nehmen als bisher.“

Das Bundesumweltministerium, das für die Atomaufsicht in Deutschland zuständig ist, hat noch nicht über mögliche Konsequenzen aus der aktuellen Warnung aus Belgien entschieden. „Dem Bundesumweltministerium liegen derzeit noch keine eigenen Erkenntnisse über die neue Bewertung des Leiters der belgischen Atomaufsicht zu den beiden Kernkraftwerken Doel 3 und Tihange 2 vor“, sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren der taz. „Wir werden uns unverzüglich mit der belgischen Atomaufsicht in Verbindung setzen und mögliche neue Erkenntnisse auf Übertragbarkeit prüfen.“

Ob die beiden betroffenen belgischen Reaktoren jemals wieder ans Netz gehen, ist derzeit offen. Insgesamt gibt es in Belgien sieben Atomreaktoren an zwei Standorten, die bis 2025 in Betrieb bleiben sollen.

Ein ebenso lesenswerter Beitrag ist hier zu lesen.

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